TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

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Tolkemit Damals


Untertitel

Lage - Kirchliches Leben - Gesellschaft und Kultur - Stadtbild/Menschen - Soziales/Gesundheit
Städtische Einrichtungen - Schulwesen - Schiffahrt - Fischereiwesen -

Landwirtschaft - Handwerk - Handel und Gewerbe - Allerlei Geschichten
Tolkemit Damals - Gesellschaft/Kultur

Das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der Stadt Tolkemit wurde maßgelbich durch die Katholische Kirchengemeinde geprägt.

Nach Gewerken - Bäcker, Böttcher, Fischer, Fleischer, Mälzbräuer, Radmacher, Schmiede, Schneider, Schuhmacher und Tischler - bildeten sich Gilden bzw. Innungen, die kirchlich organisiert waren. Die Gründung von Vereinen erfolgte in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg und gliederten sich nach Interessengebieten.



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Gilden und Innungen:
Die älteste und wohl bekannteste Gilde war die Fischserzunft oder auch Mutter-Anna-Zunft genannt. Wenn diese Zunft mit dem Beginn im 14. Jahrhundert nur die Interessen der Fischer vertrat, nahm sie dann ab dem 18. Jahrhundert Bürger und Berufe aller Gewerke auf. Als solche bestand sie bis zuletzt und spielte in dem kirchlichen Leben Tolkemits eine wichtige Rolle. Sie erfüllte Aufgaben als Begräbnisbruderschaft, unterhielt den St.-Anna-Altar mit Lichten und nahm an Prozessionen teil.


Eine weitere, meistens aus Bauern und Handwerkern bestehende Gemeinschaft nannte sich Rorate-Brüder. Sie trat nur in der Adventzeit und bei Beerdigungen von Mitgliedern auf. An allen vier Adventsonntagen wurde schon in der Frühmesse die Messe auf latainisch gesungen.

Sankt-Nikolaus-Gilde:
Am Ende des 18. Jahrhunderts ging in die Fischerei zurück. Gleichzeitig erfuhr die Frachtschiffahrt einen großen Aufschwung. Es begann mit dem Bau der ersten Lomme in Tolkemit im Jahre 1842. Dann folgten viele Neubauten und so entstand eine stattliche Flotte. So reifte der Gedanke, eine Schiffergilde zu gründen. Es dauerte noch eine Zeit, bis auf Anregung von Silvester Wolkowski und Andreas Lingner im Jahre 1910 die Sankt-Nikolaus-Gilde gegründet wurde. Als Schutzpatron suchte man sich den Heiligen der Seefahrer, Bischof Nikolaus von Myra in Lykien, aus. Sein Todestag fiel auf den 6. Dezember. Ein Banner, in einem ermländichen Kloster entworfen und gestickt, wurde am 6. Dezember 1910 von Pfarrer Matthee geweiht. Dieses Banner mit der Inschrift Sankt Nikolaus, bitte für uns ist noch Bestandteil der heutigen polnischen Kirche. Im Jahre 1935 feierte die Gilde ihr 25. Jubiläum.

Am Nikolaustag fand in jedem Jahr eine besondere Messe statt, in der man Gott dankte und der verunglückten Schiffer gedachte. Im Januar jeden Jahres gab es einen Schifferball im Vereinshaus Pahlke, später Lemke mit den Familien und geladenen Gästen.
An den großen Festtagen wie Fronleichnam und Herz-Jesu-Fest wurde in den Prozessionen das Schifferbanner mitgeführt. Bei Beerdigungen von Mitgliedern wurde auch das Banner mitgeführt. Da es keinen Leichenwagen gab, trugen sechs Mitglieder den Sarg vom Haus bis zum Friedhof.
Die Gilde trat auch auf, wenn im Frühjahr die Tolkemiter Schiffe vor ihrer ersten Reise vom katholischen Pfarrer anläßlich eines Gottesdienstes gesegnet wurden. Der Tolkemiter Pfarrkirche hat die Gilde eine Nikolaus-Statue gestiftet, die noch heute die Kirche ziert.

Vereine und Gruppen:
Viele Vereine und Gruppen bildeten sich innerhalb der Kirchengemeinde und wirkten mit ihren Aktivitäten auch darüber hinaus. Andere wiederum entstanden auf der Basis von Fähigkeiten und Neigungen, insbesondere die sportlichen Vereinigungen. die Vereine und Gruppen erfaßten einen großen Teil der Tolkemiter Bevölkerung, jung und alt.

Aufzählung der Vereine und Gruppen:
DKJ (Deutsche Jugendkraft) - Katholischer Gesellenverein - Mädchenjugend - Jungfrauenvereinigung - Männer-Gesang-Verein (MGV) - Schützengarde Tolkemit - Turnverein 1910 e.V. - Luftsport-Verband - Eissegler-Vereinigung Haffküste e.V. - Theater-Gruppen - Rotes Kreuz - Freiwillige Feuerwehr.

Katholischer Gesellenverein:
Initiator und Motor des Kath. Gesellenvereins, in dem sich die Jugend organisierte, war Kaplan Mohn. In den 20er Jahren entstand in diesem Verein neben dem Posaunenchor eine Blaskapelle und ein Musikzug. Wenn anfänglich der Posaunenchor nur bei kirchlichen Veranstaltungen auftrat, wuchs die Blaskapelle durch musikbegeisterte Jugendliche bald auf Orchesterstärke an und nahm in sein Programm auch Marsch- und Unterhaltungsmusik auf. Der zusätzlich aufgestellte Spielmannszug konnte mit seiner "Knüppelmusik" die Auftrittsmöglichkeiten der Blaskapelle erhelblich erweitern. Die Gesellenkapelle konnte nun bei vielen Vereins- und sonstigen Feiern und Veranstaltungen auftreten. Durch schneidiges Aufreten und schmissige Musik in der Öffentlichkeit wurde die Kapelle auch über Tolkemit hinaus bekannt. Sie konnte Erfolge beim Provinzialfeuerwehrverbandstag, beim Gausängerfest in Tolkemit und bei musikalischen Veranstaltungen in Elbing, Königsberg und Danzig erzielen.

Gesellenkapelle mit Kaplan Mohn 1929

Musikkapelle mit Dirigent Lehrer Tessar 1924

Spielmannszug mit Kaplan Mohn 1928

Mitglieder der Musikkapelle bei Bier und Korn

Mädchenjugend/Jungfrauenvereinigung:

Jungfrauenvereinigung mit Probst Austen 1933?

Mädchenjugend 1926 mit Probst Austen

Jungmädchen Ausflug

Fasching Mädchen Jahrg. 1925

Fastnacht Jungmädchen

Männer-Gesang-Verein Tolkemit:
Der Männer-Gesang-Verein, der 1923 gegründet wurde, entfaltete große Aktivitäten und richtete schon 1927 sein erstes Gau-Sängerfest aus. Anläßlich des 21. Passarge-Gaussängerfestes 1929 in Braunsberg nahmen die folgenden Vereinsmitglieder teil:

Kösler, Lehrer - Dr. von Kranske, Arzt - Fox, Gastwirt - Kemski, Müllergehilfe - Albrecht, Mehlhändler - Wulf, Fleischermeister - Gygax, Molkereiinhaber - Wulf, Ackerbürger - Lettau, Kaufmann - Wolff, Ackerbürger - Gillmeister, Lehrer - Schmolski, Elektromeister - Plüquett, Elektromonteur - Kardel, Frisör - Regenbrecht, Lehrer - Hantel, Rektor a.D. - Gehrmann, Bäckermeister - Frisch, Ziegeleibesitzer - Werner, Kaufmann - Wiederhold, Rektor a.D. - Kalinowski, Lehrer - Braun, Lehrer und Chormeister - Mohn, Kaplan - Fietz, Schornsteinfegermeister - Schulz, Landwirt.

Schützengarde:
Die Schützengarde Tolkemit wurde 1920 gegründet. Sie führte ihre Feste und Schießwettbewerbe auf einem Platz an der alten Burg aus. Später fanden die Feste im Lokal-Garten von Lemke statt.

Männergesangverein 1936

Schützenhauptmann Johann Hoppe auf einem Schimmel vor der angetretenen Schützengilde 1925

Turnverein Tolkemit 1920 e.V.:
Vorsitzender des Turnvereins war Herr Lehrer Gehrmann, Oberturnwart Herr Galikowsky und Turnwart Herr Fischer.
Die Übungsabende fanden im Saal des Vereinshauses Lemke (Am Amtsberg) statt. Im Jahre 1933, nach der Machtübernahme durch die Nazis, wurde auch auf die Vereine Einfluß genommen.
Ein Spielmannzug im Verein wurde durch den Lehrer, Herrn Braun sen., aufgebaut. Neben dem Hauptziel Turnen wurde auch Fußball und Handball gespielt.
Zwischenzeitlich bestanden vier Sportvereine in Tolkemit:
Turnverein, Deutsche Jugendkraft, Arbeitersport und Rote Sportgemeinschaft.
Weitere sportliche Aktivitäten vollzogen sich im Luftsportverband und in der Eissegler-Vereinigung Haffküste e.V. 1935.

Turner,Oberturnwart Gallowsky

Fußballer 1935, Trainer Noske

Jugendkreisauswahl 1943

Eissegelvereinigung Haffküste e.V. 1935:
Begünstigt durch die riesigen Eisflächen des im Winter zugefrorenen Frischen Haffs gewann auch in Tolkemit der Einsatz von Segelschlitten an Bedeutung. Mit einer Größe von 5 x 2 Metern und Geschwindigkeiten von bis zu etwa
70 km/h wurden die Segelschlitten auch für den Transport von Gütern des täglichen Bedarfs zu Orten auf der Nehrung und zur Personenbeförderung benutzt.
Im sportlichen Bereich wurden regelmäßig Regatten veranstaltet, an denen die Tolkemiter Bevölkerung und Gäste, die mit der Haffuferbahn anreisten, regen Anteil nahmen. Der Verein konnte auch überörtliche sportliche Erfolge erringen.
Segelschlitten vor Tolkemit bereit zur Regatta

Jugendherberge - Freilichtbühne:
Nördlich der Stadt, unterhalb des Galgenberges, entstand 1937 die Jugendherberge. Gleichzeitig in deren Nähe eine Freilichtbühne mit Blick auf das Haff und die Nehrung.

Jugendherberge u. Freilichtbühne

Jugendherberge

Mit dem Organisten und Lehrer Theophil Beust fand man den Fachmann, die Freilichtbühne mit Leben zu erfüllen. Er schrieb ein passendes Stück aus der Stadtgeschichte Tolkemits mit dem Titel Zeitwende - Schicksalswende. Beust organisierte, leitete, dirigierte, probte, entwarf Kostüme und führte Regie. Tolkemiter spielten mit. In den folgenden Jahren inszenierte Beust weitere Stücke, die er selbst geschrieben hatte.

Zuschauer auf der Freilichtbühne 1938

Aufführung "Die verkauften Schuh"

Ehrenmal im Erlenwäldchen:
Der Erste Weltkrieg hatte auch in Tolkemit große Lücken in die Reihen der jungen Männer gerissen; es waren viele Gefallene zu beklagen. In der Bevölkerung bestand der Wunsch, ein Denkmal zu bauen.

In den ersten 20er Jahren wurde ein Ehrenmal in dem am Hafen gelegenen und bis zum Haffufer reichenden Erlenwäldchen auf einem aufgeschütteten kleinen Hügel errichtet. Tolkemiter "Steinzanger" stellten Steine kostenlos zur Verfügung. Riesige Granitblöcke waren zu einem großen Kreis zusammengefügt, auf den ein zweiter kleinerer Kreis gesetzt war. Den Abschluß bildete ein besonders großer Findling. Dieser trug auf der einen Seite die Aufschrift "Den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung", Auf der Rückseite das Eiserne Kreuz. In den glatten senkrechten Flächen waren die Namen der im Krieg gefallenen Tolkemiter, Conradswalder und Neuendorfer eingehauen. Es waren wohl etwa 150 Namen.

Am Volkstrauertag und am Buß- und Bettag fanden hier Gedenkfeiern mit Kranzniederlegungen des Kriegervereins bzw. später der Kyffhäuserkameradschaft statt. Das Ehrenmal wurde an diesen Tagen auch mit Kränzen und Blumen von der Bevölkerung feierlich geschmückt.

Ehrenmal aus Seesteinen im Erlenwäldchen

Das Ehrenmal im heutigen Zustand

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