TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

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Tolkemit Damals


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Tolkemit Damals - Kirchliches Leben

Das Kirchliche Leben war für Tolkemit und seine Einwohner von besonderer Bedeutung. Es war Mittel- und Bezugspunkt für alle Aktivitäten, die im Verlaufe des Kirchenjahres in Tolkemit stattfanden. Die Kirche vereinte im Rahmen der die vielen festlichen Veranstaltungen im Verlaufe des Kirchenjahres, in die auch die Vereine eingebunden waren, über alle Stände hinweg die gesamte Bevölkerung Tolkemits einschließlich der zum Kirchspiel Tolkemit gehörenden Bauerndörfer Conradswalde und Neuendorf.

Begünstigt wurde diese Tradition auch dadurch, daß sich die im 16. Jahrhundert beginnende Reformation in Tolkemit trotz einigem Hin und Her nicht durchsetzen konnte und die Bevölkerung über alle Zeiten hinweg zu rd. 95 % katholisch blieb.

Katholische Pfarrkirche St. Jakobus

Historische Entwicklung:

Mit dem Ritterorden, der die Stadt Tolkemit gründete, kam auch der katholische Glauben zu den Menschen in der Region.
1345 - In der erneuerten Gründungsurkunde des Ritterordens wird von Rechten des Pfarrers und der Pfarre berichtet. Es kann davon ausgegangen werden, daß bereits vorher eine Holzkirche vorhanden war.
1344 - Die Tolkemiter Pfarrkirche mit allen Rechten wird dem Heiligen-Geist-Hospital in Elbing einverleibt.
1376 - Nach dem Ende der Ordenszeit wird die Pfarrkirche anläßlich eines massiven Neubaues vom Ermländischen Bischof Heinrich Sorbom zu Ehren der Jungfrau Maria und des Apostels Jakobus d.Ä. geweiht.
1508 - Im Zusammenhang mit dem 2. Thorner Frieden kam die Starostei Tolkemit und damit auch die Kirche zum ermländischen Bistum. Tolkemit wurde dem Frauenburger Domkapitel unterstellt. Während der folgenden 60 Jahre erreichte die Reformation auch Tolkemit. Alle Versuche, diese auch in Tolkemit einzuführen, wurden unter dem Schutz des ermländischen Bischofs abgewehrt. Der Protestantismus konnte sich nicht durchsetzen; die Bevolkerung Tolkemits blieb katholisch.
1550 - brannte die ganze Stadt, so auch die Kirche ab. Erst 1572 war der Altarraum der Kirche wieder hergestellt.
1634 - brannte Tolkemit erneut ab; die Kirche und der Glockenturm wurden ein Raub der Flammen. Der Starost von Tolkemit, Paul Dzialynski stellt aus seinem Vermögen Mittel zum Wiederaufbau der Kirche und des Glockenturms zur Verfügung.
1767 - Tolkemit brennt wieder einmal ab, so auch die Kirche. Die Kirche wird noch im selben Jahr wieder aufgebaut.
1782 - der Glockenturm wird erbaut, und zwar in Form und Höhe wie er heute noch besteht.
1900/01 - Nach dem Übergang in die preußische Verwaltung erlebt Tolkemit einen deutlichen Aufschwung. Die Kirche erhält einen Anbau, so daß sie nun Kreuzform hat. Außerdem entstehen ein Querschiff, Seitenflügel, Kapellen für die Nebenaltäre, ein Raum für den Hochaltar und zwei Sakristeien. In die neuen Kapellen wurden ein Marienaltar und ein Mutter-Anna-Altar hineingestellt. Vor dem Eingang entstand ein großer mit Linden bepflanzter Platz. Vor der Kirche stehen auf Podesten zwei Heiligenfiguren, St. Nepomuk mit dem Sternenkranz ums Haupt und Maria, die reine Magd auf der Weltkugel stehend. An der linken Seite der Kirche befindet sich ein buntes Relief, das den Herrn im Garten Gethsemane zeigt. Dieses Relief, das aus der "Mayerschen kgl. Hof-Kunstanstalt München" stammt, wurde in den letzten Jahren in der noch bestehenden Kunstwerkstatt restauriert.

Kirchspiel Tolkemit:
Die beiden Bauerndörfer Conradswalde und Neuendorf, die auf der Höhe nahe der Chaussee nach Neukirch-Höhe liegen, gehörten zum Kirchspiel Tolkemit. Die rein katholische Bevölkerung nahm lebhaft an dem Gemeindeleben teil.
Jeden Sonn- und Feiertag fuhren die Bauern mit ihren Pferdewagen zur Kirche in die Stadt. Hier stellten sie ihre Fuhrwerke in den Ausspannstätten Lettau, Wulf (Neue Welt) und Fox (Haffkrug) unter. Nach dem Gottesdienst hatten die Kirchgänger auch die Möglichkeit, bei den Tolkemiter Händlern ihre Einkäufe zu erledigen.

Die Seelsorger:
Die Tolkemiter Gemeinde hatte einige bedeutende Priester. In den letzten Jahrzehnten vor der Vertreibung sind besonders die Pröbste Austen und Schröter zu nennen. Probst Schröter verstarb im Sommer 1944. Sein Nachfolger Probst Huhn wurde am 25. Februar 1945 von den Russen in Rückenau ermordet.
Eine besondere Bindung zur Jugend hatten die Kapläne Mohn, Gerigk, Böhnig, Klein, Bartsch, Ewers, Lebig und Lilienthal.
Von den Priestern waren einige in Tolkemit geboren. So waren es 1934 gleichzeitig drei Tolkemiter, Probst Schröter, Kaplan Böhnig und der beurlaubte Militärpfarrer Poschmann.


Kirchenvorstand mit Probst Austen vor dem Kindergarten Sonnenschein

Messdiener vor der Kirche 1939

Messdiener 1942 Messd.Ferien 1941

Flurgänge - Prozessionen
Ein fester Bestandteil im kirchlichen Leben waren die Flurgänge und Prozessionen, an denen die Bevölkerung regen Anteil nahm.

Flurgänge:
Wenn die Natur nach dem langen Winterschlaf erwachte, ging es mit Flurgängen, Bittprozessionen in die freie Natur, um auch um den Segen für die Früchte des Feldes zu beten.
Es begann am 25. April, am Tag des heiligen Markus mit dem Gang zu Jeppe Kriez auf einer Anhöhe mit herrlichem Rundblick auf die Frieheite den Galjebarch und das Frische Haff. Das Wegkreuz mit dem Standbild des Gekreuzigten steht noch heute an diesem Platz.
Christi Himmelfahrt ging der Flurgang durch die Täppagass zur Cadiner Chaussee zum Wichmanns-Kriez mit dem Blick über grünende Felder, farbenprächtige Wiesen bis hinüber zum Haff.
An einem der höchsten Bittage ging die Beterschar über die Straße nach Neukirch-Höhe zum sog. Pestkreuz, zu einem Kreuz, das am Wege zur alten Borg stand und zum Kreuz am Weg zum Windmählebarch.

Prozessionen:
Die wichtigste Prozession war die Fronleichnamsprozession, an der die gesamte Bevölkerung beteiligt war. Straßen und Plätze wurden geschmückt, Kränze von den Frauen gebunden und Blumen gesammelt.
Am Sonntag nach Fronleichnam ging jährlich eine Prozession über 7 km zur Nachbargemeinde Neukirch-Höhe. Nach der Opfermesse in der dortigen Kirche wurden Verwandte und Bekannte besucht, bevor man gestärkt den Heimweg antrat.
Den Abschluß der alljährlichen Gottesdienste im Freien bildete die Prozession am
16. August mit dem Rochus-Bild von der Kirche zur Herz-Jesu-Kapelle.

Prozession um die Kirche

Prozession mit Bischof Kaller

Mädchen Jahrgang 1921 als Kranzträgerinnen Fronl. 1936

Bischofssitz im 12 km entfernten Frauenburg:
Die Nähe zum Bischofssitz in Frauenburg führte die Gläubigen zu besonderen Anlässen in den dortigen Dom. Es bestand auch ein gutes Verhältnis zum letzten Bischof Maximilian Kaller. Er besuchte mehrmals die Tolkemiter Gemeinde. Mindestens alle vier Jahre fand eine Visitation statt. Der Bischof kam über die Chaussee von Frauenburg über Neukirch-Höhe mit dem Auto. An der Kirchspielgrenze wurde er von einer Reitereskorte empfangen. Der Bischof stieg dann in eine Kutsche, die von vier Grauschimmeln gezogen wurde. An der Stadtgrenze wurde er vom Kirchenvorstand und, vor der Nazi-Zeit, auch vom Bürgermeister begrüßt. Nach Erfüllung seiner kirchlichen Verpflichtungen benutzte er für die Rückfahrt nach Frauenburg die Haffuferbahn.

Reitereskorte des Kirchspiels Tolkemit beim Bischofsbesuch

Bischof Kaller, Probst Schröter, Kapl.Lilienthal

Bischof Kaller, Probst Austen, Kapl. Böhnig 1935

Die nachstehenden Bilder zeigen Gruppen im Religions-bzw. Kommunionsunterricht und in der Glaubensschule:

Rel.-Unterricht mit Margarete Heidebrunn

Kommunionsunterricht Jahrgang 1930

Glaubensschule Jahrgang 1925 mit Kaplan Ewers

Gaubenssch.Jhrg.25/26 Kpl.Evers

Evangelische Kirche in Tolkemit:
Maßgebend für die Entwicklung der evangelischen Kirche war die Situation im
16. Jahrhundert, als die Reformation Luthers in allen Teilen Deutschlands eingeführt werden sollte. Wie bereits eingangs erwähnt, wurden aufgrund der Zugehörigkeit der katholischen Kirche Tolkemits zum Bistum Ermland alle Versuche, die Reformation einzuführen, abgewehrt. Trotz vielfacher Bemühungen von evangelischen Christen in Tolkemit eine Gemeinde aufzubauen, blieben sie über Jahrhunderte in der Minderheit, am Ende mit einem Anteil von ca. 5 % an der Gesamtbevölkerung Tolkemits.
Entwicklung:
1524 -
werden evangelische Gottesdienste in der Kath. Kirche gehalten.
1760 - Bürger evangelischen Glaubens lassen sich in Tolkemit nieder und hielten sich zur Kirche in Lenzen.
1772 - Das Gebiet, so auch Tolkemit, kommt zum Königreich Preußen. Evangelische Bürger ziehen nach Tolkemit. Die Zusammenarbeit mit der Kath. Kirche gestaltet sich beschwerlich.
1846 - waren 131 Einwohner Tolkemits evangelisch.
1849 - wird in Tolkemit eine evangelische Schulstelle besetzt.
1859 - muß die Stadt die Unterhaltung einer evangelischen Schule übernehmen, die Gottesdienste werden nach wie vor in Lenzen gehalten.
1887 - wird ein kleines Gotteshaus als Anbau an das Schulgebäude in der Fischerstraße eingeweiht. Die Gemeinde zählt 156 Seelen.
1894 - bis 1914 wird die Gemeinde von Lenzen aus betreut, bis 1920 mit Cadinen zusammengefaßt.


Von 1922 bis zur Vertreibung gehörte die evangelische Kirche wieder zu Frauenburg.

Die evangelische Gemeinde in Tolkemit hatte selbst keine Seelsorger. Dennoch blühte das religiöse Leben in der kleinen Diasporagemeinde. Das Zusammenleben mit der katholischen Bevölkerung gestaltete sich nun sehr einverständlich. Man begegnete sich mit Hochachtung und half einander, wenn es nötig war. So lebten die Tolkemiter Bürger in Frieden miteinander, bis für sie im Winter 1945 die Abschiedsstunde von ihrem geliebten Heimatstädtchen schlug.

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