TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

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Tolkemiter Keramik

Beitrag von Leo Lindner und Helmut Lingner

In der Weihnachtsausgabe der Tolkemiter Nachrichten hat der Sprecher unserer Stadtgemeinschaft, Leo Lindner, unter dem Titel Tolkemiter Erde darüber berichtet, daß Mitarbeiter des Kopernikus-Museums in Frauenburg in der Sache "Tolkemit als Töpferstadt", insbesondere in der Zeit von 1935 -1945 sehr aktiv waren und es dem Museum gelungen sei, einige gut erhaltene Keramikstücke aus dieser Zeit zu erwerben.
Im Rahmen eines Informationsaustausches konnte Leo Lindner Mitarbeitern des Museums wesentliche Informationen geben.
Nach Abschluß der Nachforschungen ist in der angesehenen polnischen Zeitschrift für Kultur und Tradition SPOTKANIA Z ZABYTKAMI (INDEKSn-ISSN 0137-222X), Ausgabe Juli 2002, ein Aufsatz erschienen, der sich mit der Keramik am westlichen Frischen Haff , insbesondere mit der von der Stadt Tolkemit befaßt.
Die Verfasserin des Artikels, Frau Weronika Wojnowska, eine Mitarbeiterin des Museums, beschreibt die Geschichte der Herstellung der Kunst-Keramik in der Zeit von 1935 - 1945. Auf mehreren Fotos sind Gegenstände der Tolkemiter Keramik dargestellt.
Nachstehend die deutsche Übersetzung:
U n b e k a n n t e s T ö p f e r w e r k
- Tolkemiter Erde -
Die keramische Tradition an der Ostküste der Weichselmündung reicht tausendjährig zurück und die besonderen Erdschichten der Lehmvorkommnisse haben dazu geführt, daß in den letzten hundert Jahren mehrere Töpfer in den Gebieten des Tieflandes seßhaft geworden sind.
In der Stadt Tolkemit, den Orten Cadinen, Succase u. a. wurde die wachsende Nachfrage von Gebrauchskeramik für die umgebenden Ortschaften zufriedengestellt.
Die bekannteste Keramik stammte aus der zaristischen Manufaktur in Cadinen dank der Sammlerpassion von Richard Formeli aus Elbing. Ein weiterer Elbinger Sammler, Stanislaw Salamaja, brachte aus der Vergessenheit des ehemals blühenden Keramikzirkels in Tolkemit unbekannte Erzeugnisse.
Die Stadt Tolkemit wurde nicht grundlos die "Töpferstadt" genannt. In der Blütezeit des Töpfertums in diesem Gebiet Ende des XIX.Jhd. zählte die Bevölkerung 3.000 Einwohner. Die Zahl der Töpferwerkstätten betrug 46 Betriebe. So war fast jede 10. Familie mit dem Keramikhandwerk beschäftigt. Die Produktion umfaßte auch Ziegeleien mit der Herstellung von Ziegeln, Dachsteinen und Dränagerohren.
Die Breite der Ereignisse bestätigt, daß nach Überflutungen des Weichseldeltas spezielle Segel-Transportschiffe, genannt "Tolkemiter Lommen" zur Verfrachtung des keramischen Materials gedient haben.
Im Jahr 1903, nach Gründung des Königlichen Herstellerwerkes "Majolik-Werkstatt Cadinen", war die Möglichkeit, aus Tolkemit die ersten Fachleute anzuwerben. Einer davon war der bis heute bekannte Tolkemiter Töpfer H. Andreas Zimmermann.
Das XX. Jhd. brachte durch die Einführung emaillierter Blechtöpfe- und Gefäße jeglicher Art den Rückgang von keramischen Töpferprodukten. Anfang des Jahrhunderts arbeiteten noch 27 Keramikbe-
triebe. Vor dem ersten Weltkrieg notierte man nur noch neun. In den dreißiger Jahren sind nur noch zwei Werkstätten geblieben: Werkstatt Johannes Seeger und ein neu eröffneter Betrieb für Kunstkeramik Tolkemiter Erde.
Diese Erzeugnisse des Werkes blieben als Sammlerpassion des Elbinger Antiquariaten Stanislaw Salamaja. Am Anfang der achtziger Jahre wurde mit den ersten Kollektionen begonnen. Es fehlte jedoch an Literatur zu diesem Thema. Praktisch hatte kein Museum eine vollständige Sammlung von keramischen Erzeugnissen dieser Werkstatt, mit Ausnahme des Museums Narodowyn
Gdansk
und Museum Mikolaja Kopernika In Frauenburg, wo sich einige Erzeugnisse befinden.

Eine fachliche Auskunft von Keramikkennern aus polnischen Museen ist mangels eines Kontaktes mit dem Herstellerwerk nicht möglich. Die Sammlung wurde käuflich erworben vom Museum Mikolaj Kopernika in Frauenburg. Gemeinsam mit früheren Erwerbnissen und späteren Zukäufen ist die Kollektion zur Zeit von unschätzbarem Wert, nicht nur in Polen. Deutsche Museen, u.a. das Ostpreußische Museum in Lüneburg und das Westpreußen-Museum in Münster sind nicht im Besitz von Erzeugnissen dieser Werkstatt und können keine Informationen zu dem Thema geben.

Die einzigen Informationen bezüglich dieses Keramikwerkes stammen von Herrn Leo Lindner aus Hamburg (Stadtgemeinschaft Tolkemit). Leo L. ist früherer Einwohner und rastloser Chronist dieser Stadt. Das Keramikwerk Tolkemiter Erde arbeitete in den Jahren 1935 - 1944. Im Jahre 1935 beschloß die Stadt in Förderung der hiesigen keramischen Tradition die Erstellung eines Töpferwerkes an der Hafenstraße. Die ersten Jahre brachten nicht den gewünschten Erfolg, schon deswegen, weil in der "Töpferstadt" Fachleute fehlten und die Mehrheit in den Königlichen Werkstätten Majolika in Cadinen beschäftigt waren. Notwendig war daher die Anwerbung von Töpfermeistern aus der Umgebung der Stadt. Um sich der Sorgen zu entledigen, übergab der Bürgermeister von Tolkemit, Bernhard Schlie, im Jahre 1938 den Betrieb dem Kaufmann August Caspritz, wohnhaft in Hamburg, der in Kürze die Blütezeit des Unternehmens herbeiführte. A.C. war kein Töpfermeister, aber ein sehr erfahrener und wendiger Kaufmann. Das Geschäft ging gut, wenn auch seine Tätligkeit überwiegend in den schwierigen Kriegsjahren stattfand und 1942 das Gewerbegebäude durch einen Brand zerstört wurde. Der Besitzer beschäftigte ca. 60 Angestellte, überwiegend junge Frauen. Der Ehrgeiz des Werkes war die Herstellung von künstlerischer Keramik. Im Bezug zur Werkstatt ist die Bezeichnung "Kunsttöpferei" sehr oft gebraucht worden.
August Capritz übernahm eine seit Jahren stillgegte Ziegelei, etwa 2 km östlich von Tolkemit für die Produktion eines schlechteren Sortiments, z.B. Blumentöpfe. Die Produktion des kaum 10 Jahre bestehenden Werkes war sehr vielfältig. Davon zeugen kann eine Museumskollektion und ein noch vorhandener Herstellungskatalog.
Hergestellt wurden Krüge, Schüsseln, Becher, Teller, Tassen, Flaschen Servece für Kaffee und Tee, Aschenbecher, Vasen und Kacheln. Die damalige Keramik, verbunden mit der volkstümlichen Kunst-
richtung der dreißiger Jahre und örtlicher Tradition, wurde verziert mit Weintraubenf, Zweigen, Eichen-
laubkränzen, Kirschfrüchten und verschiedenen Motiven, wie Elche, Hirsche oder Enten. Die Dekoration wurde auf grauem oder beigem Grund, überwiegend in den Farben blau, grün und braun angetragen. Die Anwendung der Reliefdekoration war nicht selten, wobei die plastisch sich abhebende Fläche in Farben angelegt war.
Eine andere Gruppe bilden Gefäße mit einfachen geraden Motiven oder Wellenlinien (in der Preisliste bezeichnet als "Dorfmuster"). Alle Erzeugnisse sind signiert durch einen Eindruck in die Masse mit dem Tolkemiter Wappen - dreiblättriges Eichenblatt und der Aufschrift Tolkemiter Erde sowie "Ostdeutsche Handarbeit" oder "Ostdeutsch handgemalt".
Der Betrieb arbeitete während der gesamten Kriegszeit und stellte seine Erzeugnisse auf der Leipziger Messe aus. In einer bescheidenen Kollektion befand sich ein Weihnachtsteller mit der Aufschrift
Kriegs-Weihnacht 1944, sicherlich eines der letzten Produkte dieser Firma.
Im Januar 1945 ist die Rote Armee in Tolkemit einmarschiert. Zwei Tage vor dem Einmarsch floh August Caspritz mit seiner Familie, wie auch viele Einwohner dieser Stadt über das zugefrorene Haff. Rückkehrend nach Westdeutschland wohnte er vorerst in Hamburg und später in Obenstrohe bei Varel als Kaufmann. Seine Erfahrungen aus Tolkemit nutzend, eröffnet A.C. in Friesland eine neue Firma für Gebrauchskeramik. Nach einigen Jahren mußte das Werk geschlossen werden, da die Konkurrenz seitens großer Porzellanfabriken unerträglich geworden waren.

Im Juli 1946 hat das Werk in der Nachfolge die Tätigkeit in Polen unter dem Namen Baltische Keramik-Werke als Gesellschaft der Stadt Elbing und Tolkemit begonnen. Kurz darauf nach Ausscheiden von Tolkemit hatte Elbing eine kleinere Versuchs-Produktion nach altem Muster gefahren. Ab September begann die Produktion mutiger mit einer Leistung von mehreren Tausend fertigen Erzeugnissen monatlich. Geräte und Maschinenteile wurden ergänzt, Vorräte von Rohstoffen angelegt und Töpfer-
fachleute aus Tolkemit angeworben. Die Nachfrage war groß, die Abnahme zuversichtlich und problemlos. Nach Erhalt von vielen Aufträgen, u.a. der Zentrale für Kunstindustrie und Bestellungen mit Aussichten von ausländischen Märkten. In der besten Zeit wurden 50 Mitarbeiter beschäftigt.
Das Blatt Glos Wybrzeza berichtete im Dezember 1946:
"Baltische Keramikwerke begannen mit einem großen Start. Ihre Produktion nach Bekanntmachung im Lande beginnt mit Eroberung ausländischer Märkte. Erzeugnisse der BZC qualifizieren sich zur Ausstellung der Kunstwerk-Industrie im Museum Narodowym zu Warschau. Nach Abschluß der Ausstellung werden alle ausgestellten Exponate in verschiedenen Städten Amerikas gezeigt.

Trotz dieser hoffnungsvollen Prognosen wurde schon im Dezember 1948 das Werk wegen Rohstoff-
mangel und finanziellen Schwierigkeiten geschlossen. Im Stand der Liquidation verblieb bis 1952 die Produktion von Blumentöpten und Fischereigeräten.
Berichte über diese kurze Nachkriegstätigkeit sind sehr selten. In einer Museums-Kollektion befinden sich lediglich einige Erzeugnisse aus den Jahren 1947 - 1948, signiert "BZC Tolkmicko", gefertigt in Form von Vasen mit grünen und braunen Untergrund.
Die erste Keramik-Ausstellung in Polen und die vielleicht erste überhaupt hergestellt in diesem Werk, wurde dem Museum Mikolaja Kopernika in Frauenburg (April 1998 - März 1999) übergeben.
Die einfache Exposition begleitete eine Ausstellung des Königlichen Werkes Cadinen aus der Sammlung von Richard Formeli aus Elbing.
Die beiden Hersteller sind durch die Nähe iherer Liegenschaften verbunden gewesen, förderten Lehm aus gleichen Erdschichten, doch ihre Technik der Fertigung und des Sortiments war sehr gegensätzlich.
Die europäische Keramik aus Cadinen wurde angefertigt mit übertriebenen Mustern vergangener, geschichtlicher Stilarten oder pflichtbewußter Moden. Dagegen wirkte die Keramik aus Tolkemiter Erde provinziell. Es war jedoch kein Provinzialismus im schlechtesten Sinne des Wortes, sondern Anerkennung der regionalen Tradition der Keramik.

Ein Zitat aus der Vorkriegspresse (Alt Preußen Nr. 4, 1939:
"Das Cadiner Werk und deren Erzeugnisse haben mit der Umgebung nichts gemeinsam, als Lehm. Wir brauchen in Ostpreußen Tongefäße, aber keine nachgemachten fremden Muster".
Wir müssen wieder anknüpfen an die Tradition unserer kleinen Heimat. Nur auf diese Weise kann Tolkmicko Anerkennung unter der örtlichen Bevölkerung und den anreisenden Besuchern wiederfinden, die ein kleines "preußisches Selbstbewußtsein" als Andenken kaufen.

Anmerkung der Redaktion:
Ein bemerkenswerter Artikel in einer polnischen Kunstzeitschrift!
Es lohnt sich sicher, das Museum Mikolaja Kopernika in Frauenburg zu besuchen
.
Hinweis:
Im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, Ritterstraße 10 ist in der Zeit vom 5.7. - 19.10.2003
eine Ausstellung 100 Jahre Cadiner Keramik zu sehen.

Die abgedruckten Bilder sehen Sie nachfolgend in Originalgröße mit den in der polnischen Zeitschrift verwendeteten Erläuterungen.
Die Bilder zeigen aus der deutschen Zeit vor 1945 das Gebäude der Tolkemiter Kunstkeramikwerkstadt in der Hafenstraße, einen Mitarbeiter an der Töpferscheibe und die aus dem typischen roten Ton gefertigten Kunstgegenstände, die unter dem Markenzeichen "Tolkemiter Erde" weit über Tolkemit hinaus bekannt und begehrt waren.

Altes Foto der Fabrik"Tolkemiter Erde"

Bei der Arbeit auf der Töpferscheibe

Arbeiten - Produkte "Tolkemiter Erde"
Krug, Weinbecher, Teller mit Motiv Weintrauben und Weinblätter

Zeichen und Siegel der Produktion "Tolkemiter Erde"

Teller mit Eichenmotiv

Krüge mit verschiedenen Motiven

Vasen mit dem Zeichen
"BZC Tolkmicko"
Aus den Jahren 1947-1948

Verschiedene Gebrauchsgegenstände

Weihnachtsteller Dezember 1944, die letzte Produktion der Fabrik

Tolkemit die Stadt der Töpfer
In den folgenden Ausführungen möchte ich Hintergrundinformationen zur Geschichte des Töpferhandwerks und der Keramikherstellung in Tolkemit geben. Hierbei beziehe ich mich auf Texte des von Leo Lindner herausgegebenen Buches
"
TOLKEMIT - Geschichte und Geschichten." Hinweise zu dem Buch finden Sie
auf der Seite
Aktuelles unter "Buchtipp".

Als eines der vielen "Markenzeichen" der Stadt Tolkemit galt insbesondere in der Blütezeit der Handwerksbetriebe der Begriff "Rauchende Töpferöfen".
Der Aufstieg dieses Handwerkerzweiges begann allmählich ab dem Jahre 1750.
1886 arbeiteten in Tolkemit 46 Töpfermeister! Jeder Meister beschäftigte einen bis zwei Gesellen und ebensoviele Lehrlinge, also ein beachtlicher Erwerbszweig.
Ausschlaggebend für den Aufstieg des Töpferhandwerks war insbesondere die günstige Lage in der Mitte der beiden großen Absatzgebiete, nämlich der Niederungen des Pregel (Raum Königsberg) und der Weichsel (Raum Danzig/Thorn).
In Tolkemit wurde Gebrauchsgeschirr, wie große Milch- und Siebschüsseln, Kannen und gehenkelte Vorratsgefäße mit innerer Bleiglasur pruduziert. Begünstigt wurde dieser Wirtschaftszweig auch dadurch, daß die Ware von Tolkemit kostengünstig per Schiff an den Bestimmungsort transportiert werden konnte.
Durch den Bau der Bahnverbindung zwischen Thorn und Insterburg kam es zu einem erheblichen Rückgang des Absatzes in die bisher allein von Tolkemit beherrschten Gebiete. Die Produkte der Tolkemiter Töpfereien wurden durch Bunzlauer Ton-Geschirr verdrängt. Im Jahre 1910 gab es in Tolkemit nur noch 9 Töpfermeister, 1930 war es nur noch 1 Meister im Nebenberuf. Nach mehr als 150 Jahren war die "Töpferei" in Tolkemit erst einmal zu Ende gegangen.
Wie ging es in Tolkemit mit dem Gewerbe des Töpferhandwerks weiter?
Hierzu schreibt Waldemar Heym 1939 in der Zeitschrift "Alt Preußen" unter dem Titel
Wieder dreht sich in Tolkemit die Töpferscheibe
"
Was wir in Ostpreußen an irdenem Geschirr brauchen, ist aber nicht landfremde Ware oder Allerweltsware (Arbeiten à la Allgäu oder Odenwald) also kunstgewerbliche Arbeiten. - Damit beglückt uns schon Lasdehnen genug. - Was wir fordern müssen, ist:
Anknüpfen an die Kräfte der Heimat! Nur auf diese Weise wird sich Tolkemit auf weite Sicht den Menschen Ostpreußens und auch den Besucher erobern, der nun ein Stück ostpreußischer Eigenart als Andenken mitnehmen will."
Waldemar Heym
sollte recht behalten.
Es war die Zeit der 30-er Jahre. Die Weltwirtschaftskrise hatte auch Tolkemit erreicht, hohe Arbeitslosigkeit als Folge der schlechten Wirtschaftslage, es herrschte viel Armut.Nahezu eine Situation, wie wir sie jetzt in Deutschland erleben. Leider fehlen hier wirkungsvolle Konzepte, um die Wirtschaftskraft und damit das Wachstum wieder in Schwung zu bringen. Anders die Tolkemiter.
Die Stadtväter von Tolkemit nahmen das Gesetz des Handelns in die Hand und beschlossen ein Bündel von Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Eine Vielzahl von Maßnahmen kam zur Durchführung. Hier einige Stichworte:
Bau von Siedlungen - Ausbau von Straßen und Wegen - Errichtung einer Jugendherberge - Bau einer Freilichtbühne - Einrichtung einer Handweberei - Errichtung einer modernen Trinkwasserversorgung - Flurbereinigung - Förderung der Auftragslage für die Schiffahrt und die Bootswerften, als besonders zukunftsträchtig die Ansiedlung der Marmeladen- und Konservenfabrik Engelken und schließlich die Wiederbelebung des Handwerks der Töpfer, um wieder beim Thema zu sein.


Zunächst wurde im Auftrag der Stadtverwaltung mit der Errichtung einer Keramikwerkstätte in der Hafenstraße begonnen. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß es in der Regie der Stadt nicht voran ging, weil eigenverantwortliches und kaufmännisches Handeln fehlte, eine Tatsache, die auch heute noch gilt.
Bürgermeister Schlie gelang es schließlich, das Problem zu lösen. Aufgrund seiner Initiative gelang es, den in der Branche kundigen August Caspritz aus Hamburg nach Tolkemit zu holen. Er schuf in kurzer Zeit eine leistungsfähige Kunstkeramikwerkstätte unter dem Namen Tolkemiter Erde.
Es vollzog sich ein Wandel von der Herstellung von Gebrauchs- zur Kunstkeramik.
Mit bis zu 60 Arbeitnehmern wurde ein umfangreiches Programm an Kunstkeramik hergestellt und im gesamten Reichsgebiet verkauft. Zum Zwecke der überregionalen Verbreitung wurde auch die Messe in Leipzig beschickt. So waren kunstvoll gestaltete Keramikgegenstände wie Wandteller, Vasen, Ascher, Bierseidel, Schalen, Schüsseln, Dosen, Krüge, Kaffee- und Teegeschirr und Kacheln aus Tokemiter Erde sehr begehrt. Mit dem Kriegsende im Januar 1945 und dem folgenschweren Ende von Tolkemit ging auch die Firma

T o l k e m i t e r E r d e
A. Caspritz Kommanditgesellschaft
Tolkemit am Frischen Haff

unter.

Die nebenstehende Abbildung zeigt oben das Warenzeichen Tolkemiter Erde und das Familienwappen Caspitz, in der Mitte Die Töpferei in der Hafenstraße und unten eine Produktionsausstellung auf der Leipziger Messe 1943.

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