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Fortsetzung der
Ansprache von Leo Lindner im Gottesdienst
in Tolkemit am 20.06.2007
und Nachlese zur Reise von Helma Schmitz

Wer aber Heimat pur erleben möchte, dem empfehle ich stets:
"Geht in unsere alte Pfarrkirche". Hier ist alles so wie früher, hier ist man wieder jung, hier kann man gut beten, hier ist man eben wieder zu Hause und bei Gott. Wer also hier in dieses Haus Gottes kommt, dem Altar zugeneigt niederkniet und betet, wird mit viel Mut und Kraft versehen wieder heimfahren und wird sich nach Jahren noch an dieses Erlebnis erinnern. Für mich ist die Verbindung zur weltlichen Macht in Tolkmicko nicht erreichbar. Deshalb richtet sich meine Aufmerksamkeit auf die Kirche.

Die Tolkemiter haben zur Erhaltung dieser schönen Kirche einige Hilfen gegeben:

Im Außenbereich: Relief - Dach - kleiner Turm.
Im Kirchenraum: Finanzierung neuer Kirchenbänke.

Auch heute können wir dem Herrn Pfarrer einen Geldbetrag zur Erhaltung unserer Heimatkirche überreichen (Überschuß aus Schlabbertreffen).

Im Verlaufe der letzten 35 Jahre sind viele der "alten" und "neuen" Tolkemiter Bekannte und Freunde geworden. Wir haben gemeinsam das Jubiläum 700 Jahre Tolkemit/Tolkmicko mit den Spitzen der Behörden und dem Bischof aus Elbing gefeiert.

Es gibt noch einiges zu tun, um historischen Erinnerungen wieder Platz zu verschaffen Bisher haben wir mit Vertretern der Kirche einige Hürden genommen. Nun sollte es ohne Vorbehalte daran gehen, für Tolkmicko wesentliche Dinge aus alter Zeit aus rein geschichtichen Gründen zu erhalten, wie z.B. Schwedenanker, Mahnmal im Erlenwäldchen, Glocken im Kirchturm.

Wir haben in den letzten Jahren viele unserer treuen Tolkemiter durch Tod verloren. Die meisten der noch nach hier kommenden "alten" Tolkemiter sind inzwischen alt und krank geworden. sodass sie nun vielleicht zum letzten Mal den weiten Weg machen konnten.

Wir gehen mit Wehmut, aber mit großer Erinnerung zurück. Wir werden allen erzählen, wie schön es hier war. Hier in unserer Heimat. Und auch, dass wir für alle gebetet haben.

Ihnen, Herr Pfarrer, wünschen wir nun eine glückliche Hand zur Erfüllung aller nicht immer einfachen Aufgaben. Sie werden sehen, es lohnt sich!

Leo Lindner

Anmerkung der Redaktion:
Ich stimme meinem Freund, Leo Lindner, mit dem ich seit längerer Zeit konstruktiv zusammen arbeite zu, dass die treuen und heimatverbundenen "alten" Tolkemiter durch Tod zunehmend weniger werden. Durch Zuschriften und Anfragen aufgrund meiner Veröffentlichungen in dieser Homepage schöpfe ich die Hoffnung, dass auch Jüngere, deren Eltern bzw. Großeltern Wurzeln in Tolkemit haben, Interesse an Tolkmicko zeigen und vielleicht die entstandenen Verbindungen zur alten Heimat fortsetzen wollen.

Ich schlage deshalb vor, über ein gemeinsames Projet nachzudenken, in dem junge Menschen beider Seiten zusammengeführt werden und einen Gedankenaustausch pflegen.

Gegebenenfalls sollte das weitere Vorgehen mit den beteiligten Verantwortlichen abgeklärt werden.

Helmut Lingner
Redakteur der Tolkemit-Homepage

 

Nachlese zur Reise der Gruppe Helma Schmitz:

Gruppenfoto

Die Reise fand in der Zeit vom 06. bis 17. Juni 2007 statt und wurde in bewährter Weise von der Firma Busche-Reisen unter der Leitung von Helma Schmitz durchgeführt.
6. Juni:
Abfahrt in Kempen um 06.00 Uhr über Hannover, Braunschweig nach Dolgen zur Zwischenübernachtung im Hotel Wodnik, an einem schönen See gelegen und sehr zu empfehlen.

7. Juni: Um 09.00 Uhr Abfahrt nach Frauenburg über Marienburg zur Besichtigung der Burganlage, ein imposantes Bauwerk, erbaut als Hauptsitz des Deutschen Ritterordens im Jahre 1231.
In unserem Stammhotel Kopernik in Frauenburg kamen wir um 18.00 Uhr an, wo wir bereits von Anja und Andreas erwartet wurden. Unser Freund Leon und dort weilende Tolkemiter hatten sich auch zum Empfang eingestellt. Am Abend legten wir am Denkmal zur Erinnerung an die 450.000 Ostpreußen, die im Jan./Febr. 1945 bei der Flucht über das Haff ertranken und in Eis und Schnee starben, ein Blumengesteck nieder. Es wurde von unserer Tolkemiterin Hilde Bressem, geb. Radau, gestiftet.



8. Juni: Endlich Tolkemit! Unser erster Eindruck läßt Veränderungen zum Vorteil erkennen, wenn auch nur in den Anfängen: Hausanstriche neue Fenster,saubere Straßen und Gärten. Ein kleiner Strand ist wieder am Erlenwäldchen vorhanden, ein Kiosk mit Getränken und Bänken zum Verweilen. In der Hafenstraße (gegenüber der Pollizei) befindet sich ein Lokal, wo es schmackhaften, gebratenen Aal gab. Es hat uns allen sehr gemundet. Ein Teil der Gruppe war morgens noch nach Cadinen gefahren und sind zum Kloster hinaufgegangen. Die Patres haben hier sehr viel Arbeit geleistet.

9. Juni: Heute ging es in aller Frühe nach Kahlberg, denn wir wollten ja etwas von dem Tag haben. Bei strahlendem Sonnenschein lagen wir im Sand am Ostseestrand und ließen es uns gut gehen. Man kann es verstehen, dass es unsere Eltern und Großeltern im Sommer immer wieder nach Kahlberg zog und sie davon begeistert waren.
Ein Erlebnis beonderer Art war es für uns, mit anzusehen, wie von Tolkemit aus eine Segelregatta gestartet wurde. Die Rückfahrt ging mit dem Bus auf der Nehrung entlang über Stegen. Leider konnten wir die Fischerkirche wegen einer Hochzeit nicht besichtigen.

10. Juni: Heute ist Masuren angesagt. Es geht zunächst über Heilsberg (kurze Pause zur Burgbesichtigung) nach Heiligelinde zur Besichtigung der Wallfahrtskirche mit anschließendem Orgelkonzert. Weiterfahrt zur Kruttina zum Mittagessen und dann zum Staken. Es ist ein einmaliges Erlebnis, diese unberührte Natur und Stille zu genießen. Hier denkt man wirklich, man ist allein auf dieser Welt. Danach ging es Nach Nikolaiken zur Erkundung der Stadt und des Hafens. Zu Recht sagt man "Venedig Masurens". Wenn es auch ein langer Tag war, es hat sich aber für alle gelohnt.

11. Juni: Tolkemit! Um 11.00 Uhr beginnt für uns die Hl. Messe, zelebriert von dem neuen Pfarrer den wir noch nicht persönlich kannten. Er hat schon sehr viel in der Tolkemiter Kirche bewegt. Der Tag mit dem Kirchenbesuch ist immer ein Höhepunkt unserer Reise. Hier wurden wir alle getauft und sind teilweise noch zur Ersten Hl. Kommunion gegangen. Dem Herrn Pfarrer konnten wir eine kleine Spende zur Renovierung der Herz-Jesu-Kapelle überreichen. Es waren alle Mitreisende anwesend und auch Nicht-Tolkemiter. Nach der Hl. Messe ging es zum Kulturhaus, wo wir mit Musik zu einem gemeinsamen Mittagessen empfangen wurden, liebevoll zubereitet von polnischen Frauen. Wie immer, war alles perfekt von Herrn Jan Jablonka für uns organisiert. Es gab Räucheraal, Dorsch und Bigos. Zu unserer Freude konnten wir den neuen Bürgermeister von Tolkemit in unserer Mitte begrüßen, der mit uns das Mittagessen einnahm und Fragen beantwortete. Wir wünschen ihm eine gute Hand und Erfolg bei der Realisierung seiner geplanten Vorhaben. Es war für alle ein wunderschöner Tag mit Singen, Tanzen und Weinen; das gehört einfach zusammen. Ein wenig Zeit blieb noch für einen kurzen Rundganag durch die Stadt.

Die Gruppe in- und vor der Jakobis-Kirche

Das Taufbecken

12. Juni: Freier Tag für unseren Fahrer Kurt. Ein Teil der Gruppe besichtigte den Frauenburger Dom und die Ausstellung "Tolkemiter Erde" im Hl. Geist-Hospital. Andere fuhren in ihre Geburtsorte Braunsberg, Wormditt, Schönsee, Regitten und Schöndamerau. Ein kleiner Teil fuhr nochmals nach Tolkemit, wozu auch ich gehörte. Jeden Weg und jede Straße sind wir gegangen, Friedhof, Kirche, Jugendherberge. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Die sengende Hitze machte uns nichts aus, denn wir waren ja zu Hause.

13. Juni: Fahrt nach Elbing zur Stadtbesichtigung. In einem Jahr ist hier sehr viel gebaut worden. Das Stadtbild mit den Straßen und Geschäften wird immer schöner. Es ging weiter nach Buchwalde, wo unser Fahrer Kurt für uns Würstchen und Kaffee zubereitete. Anschließend bestiegen wir das Schiff zur Fahrt über die Rollberge. Dies ist immer wieder ein herrliches Erlebnis, weil es auch einmalig auf der Welt ist. Schiffe werden durch den Oberlandkanal auf Loren nur mit Wasserkraft über die Berge gezogen und wieder zu Wasser gelassen. Dann die Einmündung und Fahrt durch den Drausensee. Natur pur: Der See mit Seerosen und Mumele übersät, mit einer Vogelwelt, wie man sie bei uns nicht mehr kennt. Unsere Neulinge in der Gruppe waren hell begeistert.

14. Juni: Frühe Abfahrt nach Zoppot und Danzig zur Stadtbesichtigung. Unsere Reiseführerin Beata hat hier die Erlaubnis, die Führung selbst durchzuführen, ein Vorteil für uns. Es wurde nichts ausgelassen, Langgasse, Frauengasse, Krantor. Zum Kauf von Bernstein blieb auch noch Zeit.
Geplant war eine Schifffahrt von Danzig nach Zoppot. Weil Schiffe nicht nach Zoppot fahren konnten, machten wir an der Westernplatte einen Halt. Die Besichtigung dieses historischen Ortes war ein Ereignis.
Am Abend fand in unserem Hotel in Frauenburg unser Abschiedsfest statt. Die Hotelinhaber hatten auf ihre Kosten eine Musikkapelle gestellt. Es wurde getanzt, gesungen und viel gelacht. Gegen 01.00 Uhr ging der Abend zu Ende. Es war ein anstrengender, aber sehr schöner Tag.

15. Juni: Fahrt nach Braunsberg zur Stadtbesichtiung und dann zum Katharinen-Kloster, wo wir schon erwartet wurden, zumal sich in unserer Gruppe die Tolkemiter Katherinen-Schwester Rolanda befand. Wir wurden herzlich aufgenommen und durften die Kapelle und weitere Einrichungen besichtigen. Weiter ging die Fahrt ins Storchendorf. Hier befinden sich auf jedem Haus 2 bis 3 Nester, die in diesem Jahr leider nicht alle besetzt waren. Anschließend fuhren wir nach Alt-Passarge an das Haff. Hier sind 1945 viele Trecks Flüchtlinge über das Eis gegangen. In der Reisegruppe wird es still und jeder ist ergriffen, denn die meisten aus der Gruppe waren damals Augenzeugen und denken an die schlimme Zeit zurück.
Mittags kamen wir wieder in Frauenburg an. Um 14.00 Uhr fuhren wir nach Narz zum Picknick, gesponsert von der Firma Busche. Andreas der Hotelier vom Hotel Kopernik grillte für uns. Es schmeckte köstlich. Vergnügliche Spiele und Fahrten mit der Kutsche ließen keine Langeweile aufkommen. Es war unser letzter Tag und der Abschied nahte.

16. Juni: Abfahrt von Frauenburg über Schlochau und Stolp nach Stettin zur Stadtrundfahrt und letzten Übernachtung im Hotel Neptun.

17. Juni: Fahrt zur Grenze, kurze Kontrolle und Weiterfahrt nach Braunschweig. Hier haben die ersten Mitreisenden ihr Ziel erreicht und steigen aus. Die nächste Zwischenstation ist Hannover, wo uns weitere Reiseteilnehmer verlassen. Die Endstation Kempen erreichen wir um 18.00 Uhr, eine Rekordzeit. Zur Abholung in die verschiedenen Heimatorte wurden wir bereits erwartet.

Abschlußbetrachtung:
Es war wieder einmal eine wunderschöne, harmonische Reise. Der Zusammenhalt war sehr gut, wie in einer großen Familie. Es wurde viel gelacht, gesungen und natürlich gschlabbert. Dank an unsere Reiseleiterin und Kurt unseren Fahrer, die auch dazu beitrugen.

Ich hoffe, es hat allen Mitreisenden gefallen und jeder hat etwas mit auf den Weg genommen. Unsere Heimat zu sehen ist eben mehr als eine Urlaubsreise!

Eure Helma Schmitz


P.S.: Die nächste Reise ist für Juni 2009 geplant, mit 3 Übernachtungen in Masuren und
6 Übernachtungen in Frauenburg. Denkt bitte alle daran, wir werden immer älter und schwächer. Es könnte bald die letzte Fahrt in unsere geliebte Heimat sein.

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