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Tolkemiter Nachrichten

4. Schlabbertreffen in Nettetal-Kaldenkirchen

Bericht von Helmut Lingner, Autor der Tolkemit-Homepage

Das traditionelle Schlabbertreffen der Tolkemiter fand mit rund 100 Teilnehmern

am 8. August 2009 in Nettetal-Kaldenkirchen statt.

Traditionsgemäß wurde das Treffen um 10.00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St.Clemens, zelebriert von Pfr. Benedikt Schnitzler, eröffnet. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Gedenken an Lebende und Verstorbene aus der alten Heimat. Gesungen wurde von einem Liedblatt, das für diesen Gottesdienst besonders schön gestaltet war. Es fehlten natürlich nicht die typisch ermländischen Lieder
"Mein Ermland will ich ehren" und "Näher mein Gott zu mir".


Pfr. Benedikt Schnitzler

Ermlandbanner mit Enkelkindern
von Helma Schmitz

Im Anschluß an den Gottesdienst ging es in die Gaststätte Zur Mühle, wo sich zunächst die etwa hundert Tolkemiter und Freunde Tolkemits an einem umfangreichen Frühstücksbuffet stärken konnten.

Danach wurde das Schlabbertreffen von Helmut Lingner offiziell eröffnet. Zunächst dankte er Helma Schmitz und Maria Engels für die Mühen der Vorbereitungen des Treffens Es war alles perfekt organisiert.
Leo Lindner, der leider aus privaten Gründen nicht am Treffen teilnehmen konnte, ließ alle Teilnehmer herzlich grüßen.
Grüße überbrachte Helmut Lingner auch von dem Heimatkreisvertreter der Heimatkreise "Elbing-Stadt und Elbing Landkreis", Herrn Günther Kuhn. Dieser Heimatkreis, dem Tolkemit auch angehört, hat sich von Herrn Schuch, Münster, gelöst und vertritt nun allein die Interessen aller ehemaligen Einwohner von Elbing Stadt und den Gemeinden des Landreises Elbing. Hierfür wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet.
Für die Familienforschung ist Herr Mauter zuständig, was allgemein bekannt ist. Er ist auch zuständig für die Web-Seite, die unter www.elbing-land-familienforschung.de zu erreichen ist. Weitere Hinweise sind auf dieser Seite unter "Impessum" zu finden. Eine Verknüpfung zu unserer Tolkemit-Homepage ist eingerichtet.

Anwesend war auch der Heimatkreisvertreter für Marienburg, Herr Bodo Rückert, der über die kürzlich in einem Massengrab in Marienburg gefundenen mehr als 2000 Gebeine von Kindern, Frauen und Männern - wahrscheinlich deutsche zivile Opfer - die inzwischen geborgen wurden, berichtete
Unter der Leitung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge werden die Toten am 14. Aug. 2009 im Rahmen einer öffentlichen Gedenkfeier in Neumark bei Stettin bestattet.

Helmut Lingner

Bode Rückert

Neues aus Tolkemit
Zu diesem Thema konnte ich aufgrund von Bildmaterial von Leo Lindner und Aussagen von Helma Schmitz, die in diesem Jahr mit einer Reisegruppe in Tolkemit war, berichten.

Im allgemeinen entwickelt sich die Situation, das Erscheinungsbild in Tolkemit in kleinen Schritten positiv. In Hafennähe wurden Bänke und Blumenkübel aufgestellt; im früheren Schuhgeschäft Döben ist die Bibliothek renoviert worden.
Ein wesentlicher Fortschritt besteht darin, dass nach längerer Zeit wieder ein Schiff, das Fahrgastschiff Monika nach Kahlberg und Frauenburg fährt.
Außerdem:
- Deutsche Grabsteine wurden gefunden und auf dem Friedhof aufgestellt
- Errichtung eines Sportplatzes unterhalb des Galgenberges
- Platz mit großem Stein für den Schwedenanker vorbereitet
- Strandabschnitt bis zum Mühlenbach vergrößert
- Neues Gasthaus mit 20 Zimmern und Restaurant im Bau
- Mit der Restaurierung der Herz-Jesus-Kapelle auf dem Friedhof wurde begonnen

Hierzu die folgenden Bilder:

Bibliothek - früher Schuhhaus Döben

Bänke - Blumenkübel

Grabsteine

Schwedenanker in Vorbereitung

Schiff Monika nach Kahlberg und Frauenburg

Anmerkung:
An dieser Stelle möchte ich Leo Lindner dafür danken, dass er sich beharrlich bei den mäßgebenden Funktionsträgern in Tolkemit mit Erfolg dafür eingesetzt hat, dass im Erscheinungsbild im heutigen Tolkemit (Tolkmicko) Merkmale zu finden sind, die an das frühere Tolkemit erinnern.

Im weiteren Verlauf meiner Begrüßung stellte ich eine Druckschrift vor, die Herr Claus-Ulrich Rosenbaum anläßlich der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses durch Herrn Erzbischof Dr. Wojciech Ziemba, Erzbischof von Warminska zu Allenstein für seinen Onkel Probst Paul Huhn, geb. 23.10.1906 - gest. 26.2.1945 herausgegeben hat.

Bekanntlich war Probst Paul Huhn seit dem Sommer 1944 als Probst in Tolkemit eingesetz. Er übernahm die kommissarische Verwaltung der durch den Tod des Probstes Joh. Schröter verwaiste Pfarrstelle.
Als russische Truppen am 26. Januar 1945 in Tolkemit eindrangen, befand sich Probst Huhn mit anderen Männern auf dem Marktplatz, die ihm rieten: "Herr Pfarrer, für Sie ist es jetzt Zeit zum Gehen!" Nach kurzem Bedenken sagte er zu ihnen:
"Mag kommen, was da will, ich bleibe bei meiner Gemeinde!"
Am 9. Febr. 1945 wurde er mit anderen Tolkemitern verschleppt. In Pr. Holland erhielt er von der russischen Militärmacht ein Schreiben, dass ihn ermächtigte, nach Tolkemit zurückzukehren. Auf dem Rückmarsch nach Tolkemit bei eisiger Kälte kam er erschöpft in Rückenau bei Neukirch-Höhe an und wurde dort in einem Bauernhaus von Leidensgenossen aufgenommen. Er hat die ganze Nacht mit ihnen gebetet und ihnen am Morgen die Absolution erteilt und den Segen gespendet. Als er sich dann auf den Weg nach Tolkemit begab, hielten ihn nach wenigen Schritten halbwüchsige Russen an. Sie missachteten das Berechtigungschreiben, das er ihnen vorzeigte. Dann führten sie ihn hinter das Gebäude und erschossen ihn.

Einigen Interssenten konnte ich eine Druckschrift aushändigen, die ich von Herrn Rosenbaum erhalten hatte. Da ein größerer Bedarf bestand, bot ich an, weitere Exemplare anzufordern, die Herr Rosenbaum an Helma Schmitz senden wird und dann anläßlich der Ermländerwallfahrt in Kevelar am 18. Okt. 2009 weiteren Interessenten ausgehändigt werden können.





Probst

Paul Huhn

Nach Beendigung des offiziellen Teils war nun Schlabbern angesagt. Nach dem Wiedersehen nach einem Jahr gab es viel zu erzählen.
Interessant war auch ein Hefter, in dem ich das von Leo Lindner zur Verfügung gestellte Bildmaterial mit Anmerkungen zum Thema "Neues aus Tolkemit" zusammengestellt hatte und in den Umlauf gab.

Zum Kaffee gab es traditionsgemäß Kuchen und Torten, die Tolkemiter Frauen gebacken hatten, ein Genuß für alle.

Zur Unterhaltung trug der Mundharmonika-Club Kervenheim mit volkstümlichen Melodien bei.

Mundharmonika-Cllub Kervenheim

Ihren Auftritt schlossen die Musikanten zur Freude aller Teilnehmer mit dem Ostpreußenlied ab, das von allen mitgesungen wurde.

Es folgte die Tombola mit schönen Sachpreisen, die von Tolkemitern gespendet wurden. Aus dem Erlös werden die anfallenden allgemeinen Kosten gedeckt. Die Nachfrage nach Losen war sehr groß. Mit Spannung wurden die Gewinnlose gezogen. Einige Teilnehmer wurden mehrfach "beglückt", andere gingen auch leer aus.

Mit dem folgenden gemeinsam gesungenen Lied klang das Schlabbertreffen, das allen viel Freude mit schönen Erinnerungen bereitete, aus:

(gesungen nach der Melodie Hohe Tannen . . ..)

Wieder neigt sich der Tag seinem Ende
und es war miteinander so schön,
reichen wir uns gemeinsam die Hände
und wir sagen auf Wiedersehn.
Reichen wir uns gemeinsam die Hände
und wir sagen auf Wiedersehn.

Lieder, die wir zusammen gesungen
Stunden, die wir gemeinsam verbracht,
soll`n in unseren Herzen noch klingen
bis zur späten Mitternacht.
Soll`n in unseren Herzen noch klingen
bis zur späten Mitternacht.

Es wird still in unserem Bunde
Freundschaft bleibt das Losungswort.
Liebe Freunde in dieser Runde
auf ein Wiedersehn an diesem Ort.
Liebe Freunde in dieser Runde
auf Wiedersehn an diesem Ort.

Das nächste Schlabbertreffen wird Anfang August 2010 wieder in Kaldenkirchen stattfinden. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Redaktion:

Helmut Lingner

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