TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

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Tolkemiter Nachrichten

Tolkemit Damals Teil 1

Tolkemit Damals - im Zeitraffer
Teil 2

Details zur Erwerbstätigkeit:

Schiffahrt

Die Lage Tolkemits unmittelbar am Frischen Haff mit Zugang zur Weichsel und zur Ostsee und damit sozusagen zu den "Weltmeeren", löste zwangsläufig die Schiffahrt aus. Aufgrund der ab 1772 an Bedeutung zunehmenden Frachtschiffahrt erfolgte 1864 der Bau eines Hafens, der 1883 erweitert und fertiggestellt wurde, wie er noch heute besteht.

Im Jahre 1890 gab es in Tolkemit 78 Schiffseigner und 47 Schiffer mit 160 Schiffen. Hinzu kamen 29 Seefahrer und 11 Taucher.
Rund ein Viertel der Bevölkerung lebte damals von der Schiffahrt.
Die für die Frachtschiffahrt eingesetzen Schiffe waren dei Lommen (Einmaster) und die Schoner Zweimaster). Details zu diesen Schiffen und zum Schiffsbau können unter "Lommen" nachgelesen werden.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Schiffer von Tolkemit als verwegene Burschen und kühne Seefahrer galten und ihre flachgehenden Lommen und Schoner mit ihren Frachten weit auf die See hinausführten. Man sah sie an der Küste des Samlandes, in Stolpmünde, Kolberg, Rostock, Wismar und Stettin.

Ab den 30ger Jahren wurden von Tolkekmiter Schiffseignern zunehmend mit Motorkraft angetriebene Eisenschiffe eingesetzt. Auch Lommen und Schoner wurden nach und nach mit kleinen Dieselmotoren ausgerüstet. Damit hatte für den Einsatz von Schiffen ein Umbruch begonnen, der dem Stand der Technik entsprach.
Aus der Sicht meines Vaters, Adalbert Lingner, der wie seine Vorfahren Schiffseigner war, kann ich diese Entwicklung bestätigen. Mein Vater war Eigner des Motor-Küstenschiffes "Irmgard", mit dem Stückgüter befördert wurden, also in der Regel hochwertigere Lasten, wie dies bei den Lommen und Schonern im Allgemeinen nicht der Fall war. Entsprechend höher waren auch die Frachteinnahmen.

Über die weitere Entwicklung der Schiffahrt nach 1945 mit deutscher Bevölkerung kann nur spekuliert werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist zu unterstellen, dass die in Tolkemit über Jahrhunderte existierende Schiffahrt weiterhin auf einem hohen Niveau entwickelt worden wäre. Für viele Menschen in Tolkemit und Umgebung hätte dies die Erhaltung von Arbeitsplätzen bedeutet. Die Hafenanlage wäre sicherlich durch einen weiteren Ausbau den Erfordernissen angepaßt worden.
Lommen und Schoner könnte man dann wohl nur noch in einem "Schiffahrtsmuseum" besichtigen.

Wie sieht es im heutigen Tolkmicko aus? Im Hafen sind nur weinige Fischerboote zu sehen. Nach nun mehr als 60 Jahren ist im Hafen von Tolkemit leider kein Frachtschiff beheimatet. Die Schiffaht ist damit zum Erliegen gekommen. Ein wichtiges Element der Wirtschaftskraft ist weggebrochen.



Schiffsbau/Werften

Die im Hafen von Tolkemit beheimateten Holzschiffe aller Art wurden weit überwiegend auf den beiden Werften in Tolkemit gebaut. Die Schiffsbauwerft Modersitzki war die größte. Sie lag zu beiden Seiten der Haffuferbahnstrecke in Höhe der Straße "Hinterhaken" und wurde im Jahre 1863 von Gottfried Modersitzki gegründet. Die Schiffswerft Lingner lag näher am Hafen, nördlich der Straße "Pappelzeile" und der Gleise zwischen der Grünanlage und dem Erlenwäldchen. Beide Werften besaßen Sägewerke zum Zerlegen des Bauholzes.
Außer dem Schiffsbau wurden auf den Werften auch die erforderlichen Reparaturen an den Holzschiffen vorgenommen.



Sämtliche Materialien, die für den Schiffsbau erforderlich waren, wurden von Tolkemiter Betrieben geliefert bzw. hergestellt. Daraus entstand ein erheblicher Nutzen für die Wirtschaftskraft Tolkemits und schaffte viele Arbeitsplätze.

Für den Schiffsbau wurde vorwiegend Eichenholz verwendet, das in den umliegenden Forsten geschlagen und mit Pferdefuhrwerken abtransportiert wurde. Die erforderlichen Schiffsnägel wurden im Handbetrieb in der Nagelschmiede Sarkowski angefertigt. Taue lieferte der Seilmacher Steinke. Aus den Schmieden Kolberg und Beuth kamen Anker, Ketten und Beschläge aller Art.

im Vordergrund Lomme, dahinter Schoner

Schoner auf Fahrt

Schiffe auf der Werft

Fischereiwesen

Schiffahrt und Fischereiwesen waren in Tolkemit in vielen Bereichen eng miteinander verbunden. Die Gemeinsamkeiten bezogen sich zwangsläufig auf das Gebiet des Frischen Haffs und den Einsatz von Wasserfahrzeugen. Dennoch waren die berufsbezogenen speziellen Grundlagen und Inhalte sehr unterschiedlich, wie dies die folgenden Darstellungen zeigen:

Grundlagen des Fischereiwesens:
Die Berufsfischer mußten die Bedingungen der Fischereiberechtigung erfüllen. Ursprünglich gingen diese Berechtigungen auf den Ritterorden zurück und wurden später vom preußischen Staat wahrgenommen. Die Großfischer besaßen Realberechtigungen, die im Grundbuch eingetragen waren.

Bewohner mit geringem Einkommen, unter ihnen auch Ziegeleiarbeiter, hatten neben den Berufsfischern die Erlaubnis, "nur für eigenen Tisches Notdurft" zu fischen. Sie durften keine Fische verkaufen.

Das staatliche Fischereiamt gab nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen an die Fischer Erlaubnisscheine aus. Für die im Haff bestehenden fünf Fischereiaufsichtsbezirke war je ein Staatlicher Fischmeister zur Überwachung der Fischerei eingesetzt.

Das Gebiet der Fischerei umfaßte das Frische Haff mit einer Ausdehnung von 80 x 12 km mit insgesamt 861 qkm. Für den Fischfang waren ausschließlich Segelboote zugelassen; Motorboote durften nicht eingesetzt werden.


Haff-Bedingungen:
Über das Pillauer Tief vermischt sich das Süßwasser des Haffs mit dem Salzwasser, das von der Ostsee in das Haff fließen kann, eine ideale biologische Bedeutung für die fischreiche Fruchtbarkeit des Haffs.
Folgende Fischarten waren von Bedeutung:

Aal - Zander - Stör - Brassen Kaulbarsch - Stint - Rotfeder - Rotauge - Hering.

Von besonderer Bedeutung war der Aalfang, insbesondere deshalb, weill es sich beim Aal um einen Edelfisch handelte und beim Verkauf ein hoher Preis zu erzielen war.
Aale wurden mit sogenannten Aalsäcken und Reusen in den Uferzonen mit schlammigen Untegründen gefischt.

Die Fischerei war von April bis zum Herbst möglich. Im Winter, wenn das Haff mit einer tragbaren Eisdecke überzogen war, fuhren die Fischer mit Gespannen, Schlitten oder Eissegelschlitten auf das Haff zur Eisfischerei. In ein Eisloch wurden Netze unter das Eis gebracht. Eine in das Loch eingebrachte Bohle wurde mit Hämmern bearbeitet, es wurde "geklappert". Die durch das Geräusch angelockten Fische gingen in die Netze.

Heutige Situation:
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges verläuft die russische Grenze vor Pillau quer durch das Frische Haff. In diesem Bereich befindet sich unter Wasser ein Stahlnetz, sodass der Zug der Fische unterbrochen ist, ebenso der Durchlaß von der Ostsee in das Haff bei Pillau. Dies hat den Fischbestand im verbliebenen Haffbereich erheblich beeinflußt. Im Vergleich zur deutschen Zeit gibt es im heutigen Tolkemit nur noch wenige Fischer. Entsprechend geringer ist auch der Fang.

Wenn die Schiffahrt in Tolkmicko total zum Erliegen gekommen ist, dann sind zumindest einige Fischerboote im Hafen zu sehen.

Fischerboote:

Fischerboote laufen in den Hafen ein

Die Besatzung eines Fischerbootes

Auslaufende Fischerboote, davor Sicken und Kutter

Fischer rudern mit dem Sicken

Eisfischer auf dem Haff

Handwerk:
In Tolkemit hatten sich viele Handwerksbetriebe gebildet, die einerseits den laufenden Bedarf der Bevölkerung deckten und andererseits Zulieferer für das Spezialgewerbe wie z. B. Schiffsbau und Schiffswerften waren. Daher gab es in Tolkemit

Schlossereien (2 Betriebe mit 1 Gehilfen und 1 Lehrling) - Schmieden (4 Betriebe mit 3 Gehilfen und Lehrlingen) - Nagelschmiede - Tischler (13 Meister, 5 Gehilfen, 6 Lehrlinge) - 3 Maurermeister - Zimmerer (1 Zimmermeister, 1 Zimmermalermeister) - Stellmacher (4 Betriebe mit 1 Gehilfen und 1 Lehrlling) - 3 Kürschner- und Mützenmachermeister - 3 Fleischermeister - Böttcher (39 Meister, 15 Gehilfen, 8 Lehrlinge) - Töpfer - Seiler- und Netzmacher (2 Betriebe) - Schuh- und Pantoffelmacher (12 Meister, 4 Gehilfen und Lehrlinge) - Schneidereien (10 männliche und 6 weibliche Meister, 1 Gehilfe, 1 Lehrling) - Sattlermeister und Drechsler - 1 Barbier - Fischräuchereien.

Bilder zum "Handwerk" folgen am Ende dieser Seiten!

Im Zusammenhang mit dem Handwerk waren die Töpfereien von besonderer Bedeutung.
In der Blütezeit gab es in Tolkemit 46 Töpfermeister. Dazu kamen Gesellen und Lehrlinge. Im wesentlichen wurden Gebrauchsgegenstände hergestellt, die Abnehmer im weiten Umkreis fanden.

Ab dem Jahre 1936 entstand die Töpferei an der Hafenstraße.
Nachdem die Töpferei für Gebrauchsgegenstände ab 1936 weitestgehend zum Erliegen gekommen war, ergriff der damalige Tolkemiter Bürgermeister Schlie die Initiative für die Töpferei an der Hafenstraße zur Herstellung von wertvoller Kunst-Keramik. Bürgermeister Schlie gelang es, für die Leitung der Töpferei den Hamburger Caspritz zu gewinnen, dem der Ausbau zur Kunsttöpferei unter dem Begriff "Tolkemiter Erde" gelang. Die Erzeugnisse wurden auch auf der Leipziger Messe ausgestellt, so daß sich Abnehmer im gesamten Reichsgebiet fanden und dadurch Arbeitsplätze gesichert wurden.


Nach der Übernahme Tolkemits durch Polen wurde die Kunsttöpferei zunächst in Teilen weitergeführt. Nach relativ kurzer Zeit mußte die Töpferei leider aufgegeben werden, sodass es im jetzigen Tolkemit kein Töpferhandwerk mehr gibt.

Näheres zum Thema "Töpferhandwerk" in Tolkemit kann auf der Seite "Tolkemiter Keramik" nachglesen werden.
Im "Kopernikus-Museum" in Frauenburg sind unter der Leitung von Frau Wojnowska Gegenstände der Kunstkeramik "Tolkemiter Erde" ausgestellt. Ein ausführlicher Bericht hierzu ist auf der Seite "Tolkemiter Erde" zu finden.

Landwirtschaft und Forsten
Im Jahre 1928 gab es in Tolkemit 95 landwirtschaftliche Betriebe, die ingesamt 994 ha bebauten, davon 10 ha Obst und Gemüse, 496 ha waren Ackerland, 151 ha Wiesen, 41 ha Weiden, 128 ha Holzungen, 168 ha Unland, Wasserstücke, Hofstellen und dergleichen.
Mit der Zunahme des handwerklichen Gewerbes reduzierte sich nach dem Stand von 1939 die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf 87, davon hatten 30 eine Betriebsfläche von 0,5 bis 5 ha, 11 von 5 bis 10 ha, 27 von 10 bis 20 ha, 19 von 20 bis 100 ha.
1939 lebten von der Landwirtschaft nur noch 495 Bürger = 10,9 % (Gesamtbevölkerung 3875 Personen), 1933 waren es noch 731 Bürger = 20,7 % von 3532 Einwohnern.

Handel:
Lebensmittel-Gemischtwaren
- Gehrmann, Accisenstraße
- Jorzig, Am Markt
- Jorzig Hinterhaken
- Koskowski, Vorderhaken
- Lindner, Machandelsteig
- Regenbrecht/Dobczinski Otto, Elbinger Straße
- Schulz, Herrenstraße
- Thams & Garfs, Frauenburger Straße

Bäcker
- Belgard, Vorderhaken
- Frischgemuth, Hinterhaken
- Gehrmann, Accisenstraße
- Kreutzer, Herrenstraße
- Meckelnburg, Turmstraße
- Schwentek (Mach), Elbinger Straße
- Thiel, Am Markt

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