TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

Tolkemiter Nachrichten

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Tolkemiter Nachrichten
Ausgabe: 34 Weihnachten 2005

Redaktion: Leo Lindner, Rotbergkamp 7 - 21079 Hamburg, T. 040/7637029
Tolkemit im Internet: Unsere Internet-Adresse lautet: www.tolkemit-online.de oder www.tolkemit.com
Hier sind unter "
Aktuelles" die neuesten Informationen über Tolkemit zu finden, die von Helmut Lingner, Vellmar, eingestellt werden.
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Liebe Leser! Die Tolkemiter Nachrichten erscheinen immer zum Jahresende mit wichtigen Informationen aus der Heimat.
Über das "Schlabbertreffen" und andere Ereignisse wird gesondert berichtet.

Treffen - 60 Jahre Tolkemiter am Niederrhein
Die Tolkemiter am Niederrhein haben die Tradition der Schlabbertreffen übernommen. Es gibt nun in Kaldenkirchen nicht nur die Tolkemiter Straße und einen Tolkemiter Gedenksstein, sondern auch die Einrichtung eines regelmäßigen Treffens. 2005 noch aus organisatorischen Gründen im Mai durchgeführt, soll es eine Dauereinrichtung für den Herbst sein?
Für 2006 schon vormerken:
Schlabbertreffen am Sonnabend, 12. August in Kaldenkirchen mit folgendem Programm: Treffen zur Messe um 10 Uhr. Anshließend gemeinsames Frühstück in der Gaststätte "Zur Mühle" unter dem Motto:
Ankunft der Tolkemiter vor 60 Jahren in Nettetal, 14 Uhr Kaffeetrinken, Tombola u.a.
Anfragen an Helma Schmitz, Telefon 02153/4209.

Gymnasium in Tolkemit
In Tolkemit haben einige Tolkemiter unserer Reisegruppe einer Einladung des Direktors des Gymnasiums entsprochen (siehe auch Bericht in EN Okt. 2005 und auf der Homepage
<Neues aus Tolkemit>).
Es gab einen besonderen Anlaß zu diesem Besuch, denn die Schule, und hier handelt es sich um unsere alte Volksschule in der Frauenburger Straße, hatte eine neue Sporthalle erhalten. Die Halle ist mit dem Schulgebäude verbunden und steht angrenzend in Richtung Friedhof, wo früher Scheuen waren und sich der Schulgarten befand. Wir dankten für die freundliche Aufnahme und die Bewirtung mit Kaffee und Kuchen und wünschten viel Freude in der neuen Sportstätte. Übrigens gibt es in Tolkemit zwei Schulen; eine Grundschule in einem neuen Gebäude am Sportplatz mit 248 Schülern und die Oberstufe (Gimnazjum) mit 223 Schülern.

Eine-Welt-Kirche - Tolkemiter Erde im Altar
Tolkemiter Erde ist nun auch im Altar in der Eine-Welt-Kirche in Schneverdingen in der Lüneburger Heide mit 500 g einer Erdprobe vom Haffufer am "Erlenwäldchen" vertreten. Diese Erde wurde von Eva Kothe geb. Neumann, aus der Herrenstraße und ihrem Mann Fritz, die in Schneverdingen wohnen, bei unserem Aufenthalt im Juni in Tolkemit mitgenommen. Alles andere über die Kirche findet man im Internet unter www.eine-welt-kirche.de und www.eine-erde-altar.de

Tolkemiter Angelkahn im Museum
Ein Modell eines Angelkahns finden wir jetzt auch im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg als Geschenk von unserem Landsmann Paul Gehrmann aus Tolkemit. Schon vor vielen Jahren hatte Paul Gehrmann einen Angelkahn im Modell 1:20 dem Westpreußischen Landesmuseum Münster zum Geschenk gemacht. Dieser auf dem Frischen Haff früher gefahrene Schiffstyp wurde auf heimischen Werften gebaut. Es waren Kielfahrzeuge, die in Klinkerbauweise aus Eichenholz gefertigt wurden. Mast und Rahsegel von ca. 60 qm Segelfläche. Je zwei Angelkähne mit drei Mann Besatzung bildeten ein "Garn" und fischten zusammen vorwiegend mit Schleppnetz.

60 Jahre unter den Dielen
Eine besonders interessante Verbindung hat sich zwischen Deutschland und Tolkemit angebahnt. Beim Surfen im Internet hat Helma Schmitz eine Mitteilung von Robert Popiolek aus der ul. Ceramicza 6 (Mühlenstraße von der Hafenstraße) gefunden, der um Kontaktaufnahme bat. Es stellte sich heraus, daß Robert Bekannten bei Renovierungsarbeiten geholfen hatte und dabei unter Dielen Papiere gefunden hatte. Alles geschehen bei Karl Klatt, Neukirch-Höher-Str. 14. Nun ergab sich ein reger Austausch von Nachrichten hin und her. Da weder Karl Klatt und seine Frau und auch die Kinder nicht mehr leben, haben sich die Kinder von Hermann Klatt in Hamburg (Schwiegersohn) eingeschaltet und erreicht, daß von Robert aus Tolkemit ein Paket mit verschiedenen Unterlagen nach Hamburg gelangte. Die Sichtung wird allerdings etwas dauern. Die Papiere sind vergilbt, vermodert und dann noch in der heute fast unbekannten Sütterlin-Schrift verfaßt.

In eigener Sache
Im letzten Jahr habe ich an dieser Stelle von einer für mich veränderten Arbeit für Tolkemit geschrieben. Bis zum heutigen Tag hat sich am bisherigen Volumen aber noch nichts verändert. Es kommen immer neue Themen auf den Tisch und bisher habe ich noch zu allen Fragen geantwortet. Es sind in letzter Zeit insbesondere die Jungen, die nach dem Land und der Stadt ihrer Eltern oder Großeltern fragen. Und wenn sie nach Tolkemit kommen, sehen sie alles weniger kritisch als wir. Sie finden ohne Vorurteile Land und Leute wunderbar. Leider entwickelt sich Tolkemit zur "Schlafstadt", da es am Ort kaum Arbeitsplätze gibt (40% Arbeitslosigkeit). Vielleicht wird es dort einmal ein Erholungsgebiet, frei von Umwelteinflüssen? Eine Bitte von mir an Tolkemiter Eltern: Erzählt Euren Kindern mehr als bisher und klärt sie über Eure Heimat (Land und Leute) auf, damit sie gut vorbereitet unser Land, unsere Stadt besuchen und sie nich nur auf die Antworten von kaum deutsch sprechenden Menschen angewiesen sind.

Besonderer Hinweis - Weihnachtsgeschenk - Preissenkung!!!
Unser Standard-Buch über Tolkemit Tolkemit-Geschichte und Geschichten, ein Lesebuch von Leo Lindner, 424 Seiten, zahlreiche Bilder und Illustrationen. Preis inkl. Porto u. Verpackung 17,50 €.
Nun neuer Preis 10,-- €. Bitte Bestellung an Leo Lindner Rotbergkamp 7, 21079 Hamburg.

Heimatfahrt 2006 ab Lobberich
Im kommenden Jahr wird es auch wieder eine Busreise mit der Firma Busche nach Frauenburg geben. Die Fahrt beginnt am 18. Juni und endet am 29. Juni. Anfragen bitte an Helma Schmitz Rosental 27, 41334 Nettetal, Tel. 02153-4209 (nach 19.30 Uhr). Nähere Hinweise zur Reise demnächst auch auf der Seite
<Reisen nach Tolkemit>

Betrachtungen zur Zeit
Mit zunehmendem Alter verfällt man immer wieder im Rückblick in Gedanken, was uns wohl das Leben im vergangenen Jahr gebracht hat. Man denkt an alle Weggefährten zurück, die man durch Tod verloren hat, an die schönen und belastenden Stunden.
Unser wirkunsvollstes Instrumen, um den Zusammenhalt unter den Tolkemitern zu erhalten, ist die Bekanntgabe der Geburtstage in den ELBINGER NACHRlCHTEN und dem ERMLANDBRIEF. Der große Anteil der "älteren" Tolkemiter ergibt sich zwangsläufig. Aber man kann auch schon bei der Aufnahme der Personenzahl deutlich Punkte gutmachen. Es gibt Personen, die stets die Anzahl der Nennungen pro Ort zählen. So wurde ich schon mehrmals auf die Vielzahl von Geburtstagen von Tolkemitern angesprochen (wir stellen z.B. im Ermländerbrief meistens 40 % der Ermländer! Das ist eine tolle Leistung oder? Meine Antwort lautet dann: "Wir sind zwar nicht das halbe Ermland, aber wir haben eine gute Organisation. Von welch großer Wichtigkeit die Bekanntgabe der Geburtsdaten ist, mag man daraus entnehmen, daß Leser drohen, den Bezug des jeweiligen Blattes zu kündigen, sollte es keine Veröffentlichung der Geburtsdaten mehr geben! Bisher sind wir in Punkto Adressdatei gut aufgestellt und wir können die Daten zur Veröffentlichung liefern. Um das auch in Zukunft sicherzustellen, bitte ich heute darum, mir alle Änderungen von Adressen u.ä. sofort bekanntzugeben. Vielen Dank.

Was brachte 2005?
Im ganzen Jahr gab es eine Reihe von Veranstaltungen, die den Zusammenhalt der Tolkemiter deutlich machten. Die meisten Tolkemiter erschienen zum 32. Schlabbertreffen am 23. April in Pattensen. Wie schon angekündigt, war es das letzte in der Reihe bedeutender Treffen. Mit Wehmut verabschiedeten sich die wieder zahlreich erschienenen Teilnehmr, die wie immer aus ganz Deutschland angereist waren und die einen tollen Tag erlebt hatten, von ihren Freunden aus der Heimat. Einen ausführlichen Bericht über das letzte Schlabbertreffen finden wir in der Juni-Ausgabe der EN.
Es wird nun kein Schlabbertreffen im Norden mehr geben, aber dafür wird das Treffen in Kaldenkirchen am Niederrhein zur Dauereinrichtung. So folgte das regionale Treffen der Tolkemiter am 14. Mai in Kaldenkirchen mit Gottesdienst und anschließendem gemütlichen Beisammensein, ebenfalls mit guter Beteiligung. Hier konnte man erstmals die Requisiten der Schlabbertreffen wie Tolkemit-Transparent, den großen Aal usw. bewundern. Es gab weitere Begegnungen wie die Wallfahrten nach Werl und Kevelaer und das Adventtreffen im November in Lobberich.
Höhepunkte waren die Busreisen in die alte Heimat mit den Endpunkten Frauenburg bzw. Elbing der Gruppen Schmitz und Lindner. Neben den bekannten Stätten war besonders Tolkemit das Ziel. Immer wieder zieht es die Reisenden in ihre Heimatstadt zum Gottesdienst und einem gemütlichen Beisammensein und zu Besuchen befreundeter polnischer Familien. Leider kann man über Tolkemit wenig Gutes berichten. Zwar sieht man schon öfter Verbesserungen an Häusern und ab und zu auch mal einen Neubau, aber wenn 40 % der Bevölkerung arbeitslos sind, fehlt das erforderliche Geld an allen Enden. Über meine Eindrücke und Erfahrungen habe ich in der November-Ausgabe der EN ausführlich berichtet.

Weihnachten 1945 in Tolkemit
Es war ein trauriges und tragisches Jahr für die Tolkemiter in ihrer Heimatstadt, nachdem die sowjetische Armee in mehreren Etappen und nach zum Teil verbissenen Kämpfen von unserer Kleinen Stadt am Frischen Haff Besitz genommen hatte. Mord, Vergewaltigung, Hunger, Krankheit, Tod gehörten zum Tagesablauf bis Mitte des Jahres. Aber es gab auch kleine Lichtblicke zur Mitte des Jahres, als die Sowjets ihre Truppen abzogen. Wer nun auf Besserung gehofft hatte, wurde enttäuscht. Mit den nachrückenden Polen wurde es noch schlimmer. Wie schrieb doch ein Tolkemiter über den damaligen Zustand der Menschen. Hunger und Krankheit waren an der Tagesordnung: "Viele Erniedrigungen und keine Aussicht auf Besserung! Wie lange sollte man das aushalten? Was blieb den Menschen in dieser Situation? Ohne Glauben wären sie verloren gewesen".
Es folgte noch ein sehr kalter und langer Winter. Nun drohte neben allen anderen Beschwernissen auch noch der Tod durch erfrieren. Auch ein Betreten der Kirche wurde ihnen von der polnischen Verwaltung verboten! Diese Zeit werden die Menschen, die Weihnachten 1945 in der Stadt waren, ihr Leben lang nicht vergessen.
Die Polen setzten die Vertreibung der Bewohner von Tolkemit dann im Jahre 1946 tatkräftig um. Etwa 600 Tolkemiter wurden am 17. Juni 1946 in Viehwaggons der Haffuferbahn gebracht und nach Elbing transportiert. Auf offene Frachtkähne verladen, ging es auf dem Wasserweg nach Danzig und weiter in Güterwaggons nach Stettin. Die Verpflegung und die sanitären Verhältnisse waren auf dem gesamten Transport schlecht. Über Lübeck (Pöppendorf), Ülzen, Wipperführt, Geldern gelangte man als "Fracht" in
8 Güterwagen nach Grefrath. Damals wußte noch keiner der ausgemergelten und kaum mit persönlicher Habe ausgestatteten Menschen, daß in dieser Gegend am Niederrhein ihr zukünfiges Zuhause sein würde. Es blieb ihnen aber keine andere Wahl. Man arrangierte sich unter sehr bescheidenen Verhältnissen in den verschiedenen Orten zwischen der holländischen Grenze und Krefeld.

Advent 2005
Nun sind 60 Jahre nach dem letzten Weihnachtsfest in Tolkemit vergangen. Andere Tolkemiter wurden bereits auf unwürdige Weise am 19. November 1945 aus ihrer Heimatstadt vertrieben oder waren auf eine schwere Flucht Richtung Westen gegangen und lebten meist unter widrigen Umständen in den verschiedenen überfüllten Unterkünften in Schleswig-Hollstein oder anderen Teilen Deutschlands und in Dänemark. Heute sind wir Tolkemiter in ganz Deutschland verstreut und haben neue Wurzeln geschlagen. Die Verbundenheit zu Tolkemit, die Stätte unserer Geburt, wird aber für immer in unseren Herzen bleiben. Als ich in diesem Jahr am 16. Juni vor dem Taufbecken in der Pfarrkirche St. Jakobus stand, kam mir der Gedanke, es zu fotografieren und in diesen Brief aufzunehmen, um allen den Ort zu zeigen, an dem sie die Hl. Taufe empfangen haben. .

Herzliche Grüße senden wir an alle Tolkemiter
in alter Verbundenheit. Wir wünschen eine besinnliche
Adventzeit, ein frohes Weihnachtsfest und gute
Gesundheit in 2006 Eure
Gretel und Leo Lindner

Grausamer Krieg
Tod, Fllucht, Verlust, Angst
und Not ertragen
mit quälenden Fragen
nach dem W a r u m ?!
Von einander getrennt,
in der Fremde verweht
mit vergeblicher Hoffnung!
Was vorher gesponnen
nun alles zerronnen!-
Dennoch bestehen!
Langsam begonnen,
Zukunft zu sehen.
Erinnerung blieb!

G.v.S-T.

Taufbecken in
der Pfarrkirche
St. Jakobus
in Tolkemit

Wir gedenken unserer Toten

Nach der Todesqual und nach dem langen
dumpfen Schlaf in meinem gelben Sarge
nicht in euren Himmel will ich kommen,
wo die weißen Engel Harfe spielen,
in die alte Heimat werd` ich wandern,
wird mein Herz wie eine Lerche steigen
aufwärts, aufwärts zu der alten Heimat!

Aus "Heimat" von Agnes Miegel

Verstorben sind:

Müller Heinz, Mühlenstr.12, 74 Jahre, Stagneth Josef, Elbinger Str. 24, 95 Jahre, Koskowski Gerd 64 Jahre, Funk Ferdinand, Frauenburger Str., 81 Jahre, Follert Rosa, geb. Hesse, 87 Jahre, Schroeter Margarete, geb. Grunenberg, Turmstr. 15, 73 Jahre, Mahrun Hedwig, Cadinen, 95 Jahre, Knackstedt Gertrud, geb. Höpfner, Vorderhaken 18, 76 Jahre, Wulf Alois, Accisenstr. 1, 82 Jahre, Kunze Kena, geb. Merten, Memeler Str. 14, 79 Jahre, Rehberg Helene, geb. Funk, Elbinger Str. 24, 81 Jahre, Diegner Bruno, Elbinger Str. 28, 82 Jahre, Röhling Herbert, Memeler Str. 28, 77 Jahre, Martin Irene, geb. Seeger, 62 Jahre, Witt Elisabeth, geb. Bolloff, Am Amtsbert 14, 83 Jahre, Sr.M. Landelina Kredig, Katharinenschwester, Krankenhaus, 89 Jahre, Froese Helene (Tante Lenchen), geb. Fischer, Elbinger Str. 8, 94 Jahre, Wulf Herbert, An der Kirche 14, 76 Jahr, Hafki Rosa, geb. Erdmann, Vorderhaken 46

Nachlese:

Unsere Tante "Lenchen" ist tot.

Am 1. September war Tante Lenchen, wie sie von den Tolkemiter Kindern liebevoll genannt wurde, 94 Jahre alt geworden. Am 1. November erwachte sie aus der nächtlichen Ruhe nicht mehr. Möge sie in Frieden ruhen. Ein schöner Tod im hohen Alter. Unsere Anteilnahme gilt ihrer Tochter Liesel Tietze und Familie. Die Beisetzung fand am 4. November in Oedt statt.
Mit Wehmut werden viele Tolkemiter an die Kindergärtnerin Helene Froese geborene Fischer und damit an ihre Kindheit und den Kindergarten "Sonnenschein" denken. Schöne Erinnerungen an frohe Tage zusammen mit einer großen Schar Mädchen und Jungen unter für heute doch nicht einfachen Bedingungen. Der Kindergarten war nämlich in einer großen Soldaten-Holzbaracke 1920 eingerichtet worden und verfügte nur über wenige der Einrichtungen wie sie heute üblich sind. Alles war uns als Kinder ganz egal. Wir konnten mit gleichaltrigen Kindern spielen und toben und wurden vielfach auf das Leben vorbereitet, was besonders unsere Mütter zu schätzen wußten.
Inzwischen sind wir selbst alt geworden. Geblieben ist uns aber die Erinnerung an einen schönen Abschnitt in unserer Kindheit, an den großen eisernen Ofen, der uns im Winter erwärmte und die vielen gemeinsamen Spiele, wobei mir besonders das Singspiel von den Tätigkeiten der Hausfrauen: "zeigt her eure Füße, zeigt hei eure Schuh" (zuletzt im Beisein von "Tante Lenchen" vor einigen Jahren in Oedt von Absolventen des Kindergartens ausgeführt) in bleibender Erinnerung ist.
Es ist auffallend, daß es viele Kindergartenfotos aus der Heimat gibt. Wir finden darauf außer den Geistlichen Herren immer die Leiterin des Kindergartens, die Katharinenschwester Vita abgebildet. Erst vor einigen Jahren suchten Hildegard Guder (Wilke) und Maria Engels (Bendrin) das Grab von Schwester Vita auf, die in Münster begraben ist.

Nähere Ausführungen und Bilder zum Thema "Kindergärten in Tolkemit" finden Sie auf dieser Homepage Seite <Soziales/Gesundheit>.

Sr.M. Landelina verstorben

Viele Tolkemiter werden die Katharinenschwester Landelina kaum in Erinnerung haben, da sie die jüngste der im Tolkemiter Krankenhaus tätigen Schwestern war. Am 8. August ist sie im Krankenhaus in Xanten im Alter von 89 Jahren gestorben. Sie war die letzte der Katharinenschwestern, die noch die sowjetische Besetzung und die schwere Zeit danach in Tolkemit erlebte.

Tolkemiter Katherinen 1943, Sr. Landelina dritte von links

Die Katharinen waren in Tolkemit aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken. Zwar lag ihre Hauptaufgabe in der Krankenpflege mit der Führung des Krankenhauses, aber auch die Aufgaben der Gemeindeschwester und der Kindergartenleiterin lagen ebenfalls in ihren Händen. Ebenso sorgten sie für ordentliche Meßgewänder und die Ausrüstung der Meßdiener.
Sr.M. Landelina gelangte über Berlin zu verschiedenen Aufgaben in der Ordensarbeit in Schleswig-Hollstein und Hessen. Sie war eine gute Autofahrerin und konnte diese Leidenschaft noch bis ins hohe Alter ausführen. In den letzten 25 Jahren hatte ich guten Kontakt zu ihr. Sie erhielt stets unsere Mitteilungen und hatte reges Interesse am Geschehen um Tolkemit.
Als Junge war ich ein Nutznießer der Küchenkünste der Katharinen. Nach meinem Einsatz als Meßdiener in der Krankenhaus-Kapelle bekam ich von den Schwestern stets ein tolles Frühstück. Mitten im Krieg waren das Brötchen mit Bienenhonig und dazu Kakao. Außerdem war ich vom Luftschutz als Melder für das Krankenhaus eingeteilt. Bis auf einige Übungen kam ich aber in dieser Position nicht zum Einsatz.

Weihnacht
Laßt die Tore nun verschließen
vor den Toren steht die Zeit.
Will sie bleiben oder fliehen:
und laßt vor der Krippe knien,
still ruht hier die Ewigkeit.

Vor den Fenstern glänzt`s wie Waffen,
glänzt Herodes auf dem Thron,
doch hier brennen still die Kerzen,
und die Jungfrau kniet in Schmerzen
lächelnd vor dem jungen Sohn.

Vor den Fenstern lärmen Knechte,
doch hier knien die Hirten stumm,
still dreht sich die Sternennabe,
Joseph lehnt an seinem Stabe,
Ochs und Esel stehn herum.

Heute wie vor tausend Jahren
ist des Herzens Heimat fern,
Trommeln dröhnen vor den Toren,
doch uns ist ein Kind geboren, -
und am Himmel strahlt der Stern.

Ernst Wiechert

Erinnerung an Weihnachten vor 60 Jahren


Weißt du es noch?
wir saßen zusammen,
unter dem kärglichen Tannenbaum,
weit von der Heimat, in fremdem Lande
und alles war uns, als wär`s ein Traum.

Der wack`lige Tisch, die alten Stühle,
im runden Ofen ein Buchenscheit.
Wir lebten wie das Kind im Stalle
und waren arm wie die Kirchenmaus.

Drei kleine Lichter flackerten,
die uns die Nachbarsleute gebracht,
wir sangen mit tränenverdunkelten Augen
das Lied von der "Heiligen Nacht"
und von der "Seligen Weihnachtszeit".

Allen Tolkemitern und Freunden Tolkemits wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches und friedvolles neues Jahr.

Helmut Lingner

Fortsetzung Tolkemiter Nachrichten
mit Bericht zum Thema "Tolkemiter Erde" (Museum in Frauenburg)

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