TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

Tolkemiter Nachrichten

A k t u e l l e s

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Tolkemiter Nachrichten
Ausgabe: 37 Weihnachten 2008

Redaktion: Leo Lindner, Rotbergkamp 7 - 21079 Hamburg, T. 040/7637029
Tolkemit im Internet: Unsere Internet-Adresse lautet: www.tolkemit-online.de oder www.tolkemit.com
Hier sind unter "
Aktuelles" die neuesten Informationen über Tolkemit zu finden, die von Helmut Lingner, Vellmar, eingestellt werden.
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Liebe Leser!
Die Tolkemiter Nachrichten erscheinen immer zum Jahresende mit wichtigen Informationen aus der Heimat.
Über das "Schlabbertreffen" und andere Ereignisse wird gesondert berichtet.

In der heutigen Zeit ist es üblich, wenn schon, dann meistens über das Medium "Internet" zu berichten. Auch wir sind im Internet sehr gut vertreten! Über die obige Adresse hält Helmut Lingner alles Interessante aktuell bereit. Also wer will, kann weltweit auf die obige Adresse zugreifen. Alle älteren Teilnehmer, die nicht im Internet surfen können, sollen Kinder, Enkel oder Bekannte bitten, gelegentlich einen Ausdruck von unserer Hotline, auch teilweise, abzurufen.
Was nun aber, wenn man weder die ERMLANDBRIEFE noch die ELBINGER NACHRICHTEN lesen kann und auch keinen Zugriff auf die Nachrichten im Internet hat? Dann bleiben nur diese TOLKEMITER NACHRICHTEN.

Heimatfahrten 2008
Im Gegensatz zum Vorjahr gab es keine Bus-Gesellschaftsfahrten in unsere Heimat. Das Interesse wird seit Jahren immer geringer. Der Grund dafür ist der deutliche Rückgang unter
den älteren Tolkemitern, also denen, die noch eine deutliche Bindung zur Heimat hatten.
Im auslaufenden Jahr haben jedoch Einzelreisende oder Gruppenreisen von ganzen Familien zugenommen. Die Reisemittel gingen über Flug nach Danzig und Weiterfahrt im Leihwegen, Fahrten mit dem Kleinbus (Helmut Lingner mit 6 Personen) oder als Gruppe im allgemeinen Reisebus der Firma Busche (Caspritz-Geschwister mit 14 Personen). Diese Form der Heimatreisen wird nach meiner Meinung die Zukunft gehören., d.h., also weg von den Gesellschaftsreisen alter Prägung, wo geschlossene Gruppen von Heimatfreunden, die sich meistens alle gut kannten, zu den Orten ihrer Kinder- und Jugendzeit strebten. Aber jede Reise in die Heimat sollte nicht ohne eine gute Vorbereitung angetreten werden. Bitte vorher fragen.
Trotzdem ist unter den in Tolkemit Geborenen der Wille und Drang zur Heimat ungebrochen. In 2009 wird es wieder eine Busreise mit der Firma Busche ab Lobberich geben. Unter Leitung von Helma Schmitz geht es mit einem vielfach bewährten Programm in der Zeit vom 9. bis 20.6.2009 nach Frauenburg. Die Nachfrage für diesen Bus ist groß und die Teilnehmeranzahl z. Zt. sogar überzeichnet.

36. Schlabbertreffen in Kaldenkirchen
Der Wille, um sich mit den Freunden aus der Heimat zu treffen, ist ungebrochen. Über 100 Teilnehmer kamen am 9.8. nach Kaldenkirchen. Helmut Lingner hat in den Elbinger Nachrichten und im ERMLANDBRIEF darüber berichtet. Eine Verleilhung der Andreas-Medallie als Anerkennung für meine ehrenamtliche Tätigkeit konnte ich nicht persönlich in Empfang nehmen. Über diese Auszeichnung habe ich mich sehr gefreut. Herrn Domvikar Msgr. Dr. Lothar Schlegel und Prodekan Bombeck, sowie den Tolkemitern, die sich für diese Ehrung eingesetzt haben, habe ich schriftlich gedankt. Alle Tolkemiter, die an dem Treffen teilgenommen haben, erlebten schöne Stunden in heimatlicher Atmosphäre und versprachen, zum nächsten Treffen am Sonnabend, dem 08.08.2009 wieder nach Kaldenkirchen zu kommen.

Ermland/Heimattreffen
Wie seit vielen Jahren fanden auch in diesem Jahr die Heimattreffen der Ermländer in Werl und in Kevelar statt. Wie seit 61 Jahren war am 4.5. die Ermlandfamilie in Werl versammelt. Auch eine Reihe von Tolkemiter Wallfahrern fanden den Weg dorthin.
Mit eine weit größeren Beteiligung fuhren die Tolkemiter am 19.10. nach Kevelar. Dieses Treffen bietet sich deshalb für die Tolkemiter besonders an, weil es fast vor ihrer Tür am Niederrhein liegt. Zwar lichten sich die Reihen der Tolkemiter merklich, aber man fährt gern nach Kevelar, weil dort auch der gesellige Teil eines Heimattreffens in alter Tradition gepflegt wird.

Was geschieht in Tolkemit?
Einen persönlichen Eindruck kann ich darüber leider nicht vermitteln, da ich in 2008 nicht selbst vor Ort war. Also kann ich nur berichten, was Reisende und Informanten mir meldeten. Nun sind die Aussagen der Reisenden, wie immer, sehr unterschiedlich, da jeder etwas anderes bei einem Kurzbesuch als wichtig wahrnimmt. Allgemein wir aber von positiven Eindrücken berichtet, besonders von Reisenden, die Vergleiche zu früheren Jahren ziehen. Alle noch so gut gemeinten Vorhaben, wie die Aufstellung des "Schwedenankers" an der Ecke "Vorder-/Hinterhaken, als auch der Rückbau des Ehrenmals im Erlenwäldchen ist immer nur das Werk von Einzelpersonen. Außerdem feht für solche Maßnahmen auch das Geld. Aber wir bleiben am Ball, um die Spuren der alten Tolkemiter zu beleben.
Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister Andrzej Lemanowicz ist sehr gut. Wenn wir in den leltzten 30 Jahren nur annähernd so aufgeschlossene Bürgermeister in Tolkmicko gehabt hätten, wären wir sicher in jeder Hinsicht ein Stück weiter.
Die Lage in Tolkemit im westlichen Frischen Haff ist aber noch immer durch die polnisch-russische Grenze und deren Undurchlässigkeit auf dem Wasserweg sehr belastend. So steht auch der Ausbau des Tolkemiter Hafens zum Sporthafen auf wackeligen Füßen. Man bemüht sich unter Einbeziehung von Kadinen mit seinen geeigneten Anlagen, ein Urlaubsgebiet zu schaffen. Zwar zieht besonders die schöne Landschaft auch betuchte Urlauber an, aber als Anreiz wären neben dem Gestüt eine Golfanlage und weitere Sportanlagen nach den heutigen Standards erforderlich.


Partnerschaft mit Käiserbädern auf Usedom
Seit 2004 sind Tolkemit und die Kaiserbäder in einer Städtepartnerschaft verbunden. Die damals begonnene Partnerschaft verflachte nach stürmischem Beginn bald. Aus Interesse fragte ich über die Verbindung mehrmals nach und gab zu bedenken, dass man so eine Partnerschaft auch pflegen müsse. Als ich im Juli dieses Jahres einen kurzen Urlaub in Ahlbeck machte, wollte ich auch den Bürgermeister, Herrn Kottwittenborg, besuchen. Das klappte nicht, da er zur gleichen Zeit in Tolkemit weilte. Es ist festzustellen, dass sich die Beziehungen deutlich verbessert haben und in diesem Jahr mehrere Besuche und Gegenbesuche stattfanden, an denena auch Gemeindmitglieder teilnahmen. Tolkemit erhielt das schon früher versprochene Feuerwehrfahrzeug von Ahlbeck und ist jetzt besser gerüstet. Bürgermeister Kottwittenborg habe ich auch mit entsprechendem Material über Tolkemit bis 1945 bedacht und dieses durch neue Entwicklungen ergänzt. So trägt man sich in der Region am Frischen Haff, einschließlich von Elbing, mit dem Gedanken, früher bereits in Angriff genommene Pläne für einen Nehrungsdurchstich und damit direkten Zugang zur Ostsee zu ermöglichen. Für ein solches Vorhaben kann Polen nicht die erforderlichen Mittel aufbringen. So denkt man an eine Verwirklichung durch die Europäische Gemeinschaft.

Pfarrer und Kirche
An verschiedenen Stellen in meinen Berichten habe ich auf unser gutes Verhältnis zum Pfarrer und seine Aktivitäten in der Gemeinde hingewiesen. In seinem Aufgabenbereich kann man immer mit Freude neue Fortschritte erkennen. Deshalb müssen wir auch in Zukunft unsere Aufmerksamkeit auf den Erhalt unseres alten Kulturgutess richten.

Die Tolkemiter Nachrichten
sind auch in diesem Jahr eine Mischung von Altem, neuem Alten und Berichten aus der Gegenwart
, also ein Tolkemiter "Allerlei". Einen besonderen Stellenwert soll dabei das "Tolkemiter Platt" haben. Es gibt noch vieles über Tolkemit zu berichten, packen wir es an!

Tolkemter Platt
Erst vor kurzer Zeit nahm ich ein Buch über "Ostpreußische Orte" zur Hand. Die dort veröffentlichten Kurzfassungen fallen darin leider sehr mager aus. Aber besonders interessant fand ich die abgebildeten Zeichnungen und Karten. So stieß ich auf eine Karte, in der die "Ostpreußischen Mundarten" verzeichnet waren. Danach gehören wir Tolkemiter zum nieder(deutschen) preußischen Sprachraum mit einem speziellen Dialekt, wie es nur am westlichen Frischen Haff gesprochen wurde.
Was ist ein Kujjel? Was sind Schocke?
Das Preußische Wörterbuch dokumentiert aussterbende Mundarten.
Dem Hamburger Abendblatt war es schon am 17.7.1995 einen Leitartikel wert, um über dieses Thema zu berichten. Andere Zeitungen schlossen sich dem Vorgang an. Basis war die Frage, was ist ein "Kujjel" bzw. eine "Schocke". Wörtlich wird berichtet: "Kaum jemand dürfte die richtige Antwort wissen". Die aussterbenden Mundarten der ehemaligen deutschen Provinzen Ost- und Westpreußen, die heute zu Polen, Rußland und Litauen gehören, will das Preußische Wörterbuch der Nachwelt erhalten. Im Jahre 2003 soll das siebenbändige Werk fertig sein.
Zur Aufklärung sagt der aus Finkenwerder stammende Sprachforscher Dr. Reinhard Goltz: "Ein Kujjel ist ein männliches Schwein und eine Schocke ist schlicht eine Kartoffel." Beide Begriffe seien in dem Gebiet das 650 Jahr deutscher Kulturraum war, mundartlich verwandt worden.
Die Wissenschaftler Dr. Reinhold Goltz Martin Schröder und Thomas Braun sowie eine Sekretärin, haben ab 1993 die Arbeit an der Kieler Universität fortgesetzt, die 1952 von dem 1984 verstorbenen Prof. Erhard Riemann begonnen und von seinem 1984 vestorbenen Nachfolger Ulrich Tolksdorf weitergeschrieben worden war.
Die Basis für das umfangreiche Werk ist ein Zettelarchiv mit rund 2,5 Millionen Belegen, das in mühevolller jahrzehntelanger Kleinarbeit erstellt worden war. Dazu waren in den Jahren zwischen 1950 und 1960 Fragebögen mit etwa 50 Fragen an 425 Heimatvertriebene und landsmannschaftliche Vereinigungen verschickt worden.
Die Arbeiten sind (Telefonat am 13.11.2008) lt. Herrn Dr. Reinhold Goltz abeschlossen. Die Forschungsstelle "Preußisches Wörterbuch" an der Uni Kiel wurde aufgelöst. Nun sind 6 Bände unter der Bezeichnung "Deutscher Sprachenatlas" bei der "Akademie der Wissenschaften" in der Uni in Marburg vorhanden. Als Einzelprojekt ist auch "Ermland/Tolkemit"dort enthalten.

Uck dat geev et en Tolkemit!
Die Schlagfertigkeit der Tolkemiter Fischfrauen war sprichwörtlich. Bei einem Verkaufsgang in Cadinen kam es 1936 zu folgendem Wortwechsel: Die Fischerfrauen "Goode Morje! Wie hewwe hiede Kulbaesch, Plötz, Brassen, Zander un e poa Ool. Wat wulles geere hewwe? Da sagt ein überaus linientreuer Cadiner Verwaltungsmann "Liebe Frau, das heißt nicht guten Morgen, sondern "Mit deutschem Gruß". Darauf die Fischerfrau: "Se mene dietschen Gruuß?. Jo, jo, von dem hewwe wie tohus e Hupe em Kella ligge. Der Gesprächspartner war perplex und beließ es dabei, indem er das Gespräch abbrach. Für die damalige Zeit war es eine sehr gewagte Aussage, die leilcht hätte ins Auge gehen können.

Dem Scheppa un sin Jung
Die Scheppa un de Matros vom Schona "Maria Magdalene" ginge von Board. De Jung bleew als Oppassa. De Scheppa secht em, he sull Eier koke färe nächste Morje tom Freesteck. Nu krech de Jung owwa dollen Hunga. He luard, owwa de Scheppa keem un keem nicht trij. Am nächste Morje secht he op de Frog vom Scheppa, of he wat jegäte hät. Jo, jo, de feine Bullion häv eck utjesope, owwa de dreeje Eia häw eck fäa ju jelote.

Wir gedenken unserer Toten

Mit jedem Toten, den wir lieben
stirbt ein Teil von uns.
Von jedem Toten, dem wir verbunden sind,
bleibt ein Teil von uns.

Bendrin Helene, geb. Klatt, Reiferbahn, 99 Jahre, Dobczinski Heinz, Hinterhaken 82, Fromm Paul, Accisenstr., 90 Jahre, Funk Georg, Elbinger Str. 26, 86 Jahre, Goerke Renate, geb. Kunert, Neuer Weg 13, 73 Jahre, Haese Paul, Hinterhaken 67, 82 Jahre, Harwardt Leo, Elbinger Str. 47, 72 Jahre, Hoffmann Margot, geb. Diegner, Elbinger Str. 28, Jahnz Klara, geb. Heidebrunn, Grenzbach-Siedlung 84 Jahre, Klatt Hermann, Pappelzeile 2, 98 Jahre, Klink Ewald, 82 Jahre, König Hildegard, geb. Spleth, Hinterhaken 16, 81 Jahre, Koskowski Andreas, Machandelsteig 6, 88 Jahre, Kuhn Anselm, Abbau, 78 Jahre, Liedke Otto, Frauenburger Str. 20, 88 Jahre, Lindner Otto, Accisenstr. 9, 67 Jahre, Mägerle Elisabeth, geb. Lindner, Accisenstr. 9, 69 Jahre, Moevert Hedwig, geb. Splieth, Neuer Weg 10, 88 Jahre, Moschallski Hans-Georg, Hafenstr. 19, 84 Jahre, Muth Gisela, Vorderhaken 2, 79 Jahre, Pfaff Elisabeth, geb. Laws, Hinterhaken, 93 Jahre, Rohwer Maria, geb. Giensdorf, Hinterhaken 43, 75 Jahre, Rückbrodt Hans, Neukirch-Höher Str. 19, 79 Jahre, Ruhnau Elisabeth, geb. Erdmann, Sudetenstr. 6, 80 Jahre, Sakrowski Otto, Elbinger Str. 25, 90 Jahre, Schmiegelt Maria, geb. Klatt, Hinterhaken 11, 70 Jahre, Schmitz Gertrud, geb. Splieth, Turmstr. 6, 88 Jahre, Schultz, Margareta, geb. Wittke, Elbinger Str. 23, 86 Jahre, Schulz Leo, Elbinger Str. 27, 87 Jahre, Schuster Anni, geb. Salowski, Herrenstr., 72 Jahre, Semnet Elfriede, geb. Heidebrunn, Grenzbach-Siedlung, 88 Jahre, Splieth Leo, Neuer Weg 10, 77 Jahre, Stobbe Johannes, 80 Jahre, Wolanluk Margarete, geb. Rehberg, Accisenstr. 14, 88 Jahre, Wulf Magdalena, Hafenstr. 3, 78 Jahre, Zimmermann Erwin, Elbinger Str. 38, 79 Jahre.

Familie Schlie
Die Familie von Bürgermeister Bernhard Schlie hält zusammen!. Anlaß für ein Treffen mit Kind und Kindeskinder (siehe Foto) war der 70. Geburtstag der in Tolkemit am 16.10.1938 geborenen Tochter Elisabeth, die in der Schweiz wohnt. Die weiteren Fotos zeigen die gesamte Familie 1938 in Tolkemit, Elbinger Str. 14, Vater mit Elisabeth früher und heute.
Von der Familie Schlie sind uns besonders Lore und Hartwig und seit 2007 auch Rudolf, der Sohn von Hartwig und von einer früheren Heimatfahrt Ulrike Haugk bestens bekannt.






Von der Familie Schlie sind uns besonders Lore und Hartwig und seit 2007 auch Rudolf, der Sohn von Hartwig und von einer früheren Heimatfahrt Ulrike Haugk bestens bekannt.

Zur Erinnerung an Helene Dombrowski-Patschke
Frau Helene Dombrowski-Patschke, geb. 1900 in Neukirch-Höhe, verlebte ihre Jugendzeit in Tolkemit, wo ihre Eltern die Molkerei besaßen. Sie hat sich in der Nachkriegszeit durch eine Reihe von Aufsätzen über die Historik und das Leben in der Stadt Tolkemit verdient gemacht.
Die abgebildete Karte schrieb Frau Dombrowski geb. Patschke etwa 1975 nach einem Besuch in Tolkemit an eine Bekannte. Frau Dombrowski war, bekannt als Frl. Patschke, an der Katholischen Volksschule inTolkemit Lehrerin. Auf dem nebenstehenden Bild ist sie als Lehrerin einer Mädchenklasse der Jahrgängse 1925/26 zu sehen. Man achte auf die große Anzahl der Schülerinnen in einer Klasse!

das abgebildete Kruzifix hing bis zu ihrem Tode 1989 in Wilhelmshaven über ihrem Schreibtisch..

Schulklasse 1935

Kartengruß aus Tolkemit 1975

Tolkemiter Erde
Wir trauten unseren Augen nicht, als wir im Juni 2005 anläßlich der vom Frauenburger Kopernik-Museum arrangierten Ausstellung von Gegenständen der Tolkemiter Töpferei, diesen Wandteller entdeckten. Dieses bis dahin unbekannte Stück Tolkemiter Töpferkunst wurde zu Weihnachten 1944, also wenige Wochen vor dem Untergang von Tolkemit hergestellt. Darstellung von heiler und kaputter Welt. So etwas war doch damals streng verboten! Wehrkraftzersetzung! Unten sieht man das Wappen von der Firma Caspritz KG!

Es ist Kopernikus
So lautet die Überschrift von einem Artikel im "Hamburger Abendblatt" vom 21.11.2008. "Wir standen am 19. Juni 2007 auf dem Kopf des Forschers und Kirchenmanns Kopernikus (1473 - 1543), als wir den Dom in Frauenburg mit unserer Reisegruppe besichtigten. Die Führerin hat damals darauf hingewiesen, daß an einer bestimmten Stelle im Dom Kopernikus begraben sei." Ich konnte es mir damals nicht verkneifen, diese historisch bedeutende Stelle mit den Füßen eines Mitreisenden zu fotografieren. Zu dem Foto kann man auch sagen, "Tolkemiter tritt Kopernikus mit den Füßen!" Für uns war alles ein Scherz.
Nun haben Haarproben und Knochen wissenschaftlich untersucht ergeben, er liegt dort wirklich begraben. Möge er weiterhin ruhen in Frieden!

Tolkemiter Jugendherberge wäre 70 Jahre alt geworden
Das wohl am meisten fotografierte Objekt war trotz des nur knapp 7-jährigen Bestehens die Jugendherberge am Galgenberg. Zusammen mit Irmgard Kleingeist, geb. Sadowski, der Tochter der damaligen Herbergseltern, ist mir gelungen, die Geschichte der Jugendherberge in Tolkemit zu erfassen.

Mehrere Jahre gab es in den Dachbodenräumen der Kath. Volksschule in der Frauenburger Str. eine Übernachtungsmöglichkeit mit Kochgelegenheit unter recht einfachen Bedingungen, die vom Landesverband des Reichsbundes für deutsche Jugendherbergen e.V. unterhalten wurde. Nach dem Reichsherbergsverzeichnis für 1938 erfolgte die Anmeldung für eine Benutzung bei dem Bürgermeister (Schlie). Als Hauswart wird der Hausmeister der Schule-Funk genannt. Schon im Verzeichnis für 1939 wird die neu errichtete Herberge am Haffufer aufgeführt.
Unter der Federführung von Bürgermeister Kolinowski wurden ab 1935 die Vorarbeiten für den Bau einer neuen Herberge geleistet und dem Landesverband Ostpreußen zur Genehmigung übermittelt. Die Entscheidung für Tolkemit fiel schnell und schon 1938 entstand die neue Jugendherberge am Galgenberg, hoch über dem Haffufer in bester Lage. Die entsprechenden Bauarbeiten kamen schnell voran und schon im Herbst 1938 konnte die Einweihung erfolgen. Erbaut wurde das Haus nach Plänen des Architekten Bruno Jess aus Insterburg. Eine genaue Beschreibung erfolgte in der Zeitschrift "Monatshefte für Baukunst und Städtebau Heft 12" im Dezember 1941, Bauwelt-Verlag, welches mir Herr Dietrich Zlomke, früher Königsberg, Zur Verfügung stellte. Der Landesverband Ostpreußen erbaute zur gleichen Zeit auch mit den Herbergen in Goldap und in der Elchniederung ähnliche Gebäude, die aber nicht an die tolle Lage und Aussicht der Tolkemiter Jugendherberge heranreichten.
Dlie Einweihung der Jugendherberge erfolgte mit großem Propagandagetöse, obwohl sie eigentlich noch im Bau war. Erst in den folgenden Monaten wurden die Kellerräume, Fußböden und sonstige Einrichtungen fertiggestellt.
Die ersten Nutzer waren Parteiorganisationen und ab Juli/August 1939 hielt eine Wehrmachtsstelle ihren Einzug. Nachdem die Soldaten abzogen, kamen RAD-Maiden als Dauerbewohner in die Herberge von Oktober 1939 bis November 1940. Die wohl längste Zeit diente die Herberge der Kinderlandverschickung (KLV) mit Jungen aus Westdeutschland.
Herbergseltern (Verwalter) waren fast von Beginn an bis zum Schluß im Januar 1945 Walter Sadowski und seine Frau Emma, geb. Dannenberg, die vorher die Herberge in Sakau (Kurische Nehrung) führten. Nach der Einberufung von Walter Sadowski zur Wehrmacht vertrat seine Frau fast die ganze Kriegszeit mit tatkräftiger Mitarbeit von Lena Funk aus Tolkemit und Frau Cläre Beidokat aus Königsberg.
In meinem Buch "Das Schicksal nahm seinen Lauf" auf Seite 29 berichtet Irmgard Kleingeist von der Flucht am 21. Januar 1945. Die Jugendherberge blieb bis zum 4. Februar noch in deutscher Hand. Dann kamen die Russen auf den Galgenberg und brannten das Haus ab. Noch heute sind hier Trümmer aus vergangener Zeit zu finden.
Als Fazit sei angemerkt: Das so schöne Haus in einer ausgezeichneten Lage mit Blick über Haff und Nehrung bis zur Ostsee hat seinen ursprünglich gedachten Zweck kaum erfüllen können. Durch die Kriegsereignisse blieb vielen jungen Menschen keine Möglichkeit, es im friedlichen Sinne zu nutzen.
Mir liegen eine Reihe von Fotos und Lageplänen vor. Ich werde sie später veröffentlichen.

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Jugendherberge brennt