TOLKEMIT

Die Kleine Stadt am Frischen Haff

Tolkemiter Nachrichten

A k t u e l l e s

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Tolkemiter Nachrichten
Ausgabe: 38 Weihnachten 2009

Redaktion: Leo Lindner, Rotbergkamp 7 - 21079 Hamburg, T. 040/7637029
Tolkemit im Internet: Unsere Internet-Adresse lautet: www.tolkemit-online.de oder www.tolkemit.com
Hier sind unter "
Aktuelles" die neuesten Informationen über Tolkemit zu finden, die von Helmut Lingner, Vellmar, eingestellt werden.
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Liebe Leser!
Die Tolkemiter Nachrichten erscheinen immer zum Jahresende mit wichtigen Informationen aus der Heimat.
Über das "Schlabbertreffen" und andere Ereignisse wird gesondert berichtet.

Heimatfahrten 2009
Beginnen wir gleich mit der einzigen Busfahrt der Tolkemiter, die vom 9. bis 20. Juni - beginnend in Lobberich - nach Frauenburg ging und von Helma Schmitz geführt wurde.
Es war eine von Teilnehmern gelobte, aber wohl letztmalig von Helma organisierte Reise Daher hieß es Abschied nehmen von allen den Tolkemitern vertrauten Orten und Plätzen. Höhepunkt der Reise waren am 15.6. die Feierlichkeiten zur "Goldenen Hochzeit" von Benno Bressem und seiner Frau Hildegard geb. Döring aus Tolkemit, Mauerstraße, die in der geschmückten Kirche begannen und mit einem fröhlichen Teil mit Essen, Trinken und Tanz im Gemeinschaftsraum der Feuerwehr fortgesetzt wurden. Alles war bestens von unserem Freund Jan Jablonka organisiert.
Die Betreuung durch die Firma Busche war gut, zumal Beata (Reiseleiterin) und Ralf (Fahrer) alte Bekannte der Tolkemiter waren. Eine Besonderheit war am 16. Juni die Fahrt nach Kahlberg. Die Hinfahrt erfolgte per Bus schon recht früh, um einen längeren Aufenthalt zu haben. Nun aber kam die Rückfahrt. Die Teilnehmer fuhren auf Wunsch mit dem Motorschiff "MONIKA" direkt nach Tolkemit. Ein tollles Gefühl, nach 65 Jahren wieder in den Tolkemiter Hafen einzulaufen.

Jakobsweg nach Tolkemit ein Erfolg?
Ob mein Vorschlag vom Vorjahr, auch einen "Jakobsweg" von Deutschland nach Tolkemit zu eröffnen schon erfolgreich umgesetzt wurde, läßt sich nach so kurzer Zeit noch nicht feststellen. Zumindest wurde erreicht, dass man sich mit dem Gedanken befaßt, quer durch Pommern und Danzig-Westpreußen heimatliche Gefilde zu erreichen. Die "Elbinger Nachrichten" haben sich dieser Idee angenommen und einem über Tolkemit hinausgehenden Leserkreis meinen Vorschlag ungekürzt vorgestellt. Wie schon seit einigen Jahren festgestellt, nehmen die individuellen Reiseformen immer mehr zu. Die Busreiseunternehmen haben deshalb mit starken Rückgängen zu kämpfen.
So mehren sich auch die Anfragen über das Internet oder direkt bei mir über Reiseweg, Hotels und spezielle Unterkünfte. Die Spitze war folgende Frage: "Ich möchte mit dem PKW nach Tolkemit fahren. Mein Großvater und Vater haben mir viel davon und vom Hinterhaken (Geburtshaus) erzählt. Start an einem Freitag Nachmittag und Rückkehr in Deutschland Sonntag Abend. Können Sie mir helfen? Ich möchte die Kirche aufsuchen und das Haus im Hinterhaken". Alles ist gut gegangen. Hin- und Rückfahrt alles in Ordnung. Er hat die geöffnete Kirche (Erntedankgottesdienst und toll geschmückt, zu sehen auf dem mitgebrachten Foto) sowie das beschriebene Haus am Hinterhaken gefunden und ist zufrieden. Eigentlich liebe ich solche Schnellschüsse garnicht. Aber jeder auf seine Weise.

Und was machten die anderen Tolkemitbesucher?
Auch in 2009 gab es wieder einige Fahrten mit den verschiedensten Verkehrsmitteln nach Polen mit dem Ziel Tolkemit und Besichtigungen in der Umgebung.
Zuerst will ich nochmal von einem Besuch der Caspritz-Kinder berichten, der im August 2008 geschah. In einem Bus der Firma Busche - mit 20 Personen besetzt - gingen 14 Teilnehmer der Familie Caspritz auf Entdeckungsreise bis nach Rauschen. Die gezielten Orte waren neben Elbing (Schule) Frauenburg (Keramik-Ausstellung "Tolkemiter Erde") im Kopernik-Museum im Hl.-Geist-Hospital) natürlich Tolkemit, wo zunindest die fünf mitreisenden Geschwister einen Teil ihrer Kind- und Jugendzeit verlebten. Besonders eindrucksvoll war der Besuch bei der sehr freundlichen polnischen Familie, die jetzt im Wohnhaus der Familie Caspritz "Margaretenhof" (an der Ziegelei) lebt. Tolkemit und Cadinen waren insgesamt ein besonderes Erlebnis. Die gesamte Reise war von Busche bestens organisiert und so kehrten alle Teilnehmer mit tollen Eindrücken versehen gut zurück. Es sei noch vermerkt, dass die weiteren drei Ehepaare (Mitreisende) ohne Tolkemit-Interessen sich allen Vorhaben der Caspritz-Mehrheit gerne angeschlossen haben.

Margaretenhof-Wohnhaus der Familie Caspritz an der alten
Ziegelei
Familie Caspritz Pfingsten 1944
mit Kutsche auf der Haffhöhe
am Forsthaus Wiek

Caspritz-Kinder Bärbel, Suse,Heide, Klaus,Ulla

Ermland- und Heimattreffen
Wie seit der Ankunft am Niederrhein, haben die Tolkemiter in alter Tradition auch am 18.10.2009 an der Ermländerwallfahrt teilgenommen Es ist erstaunlich, dass trotz hohen Alters noch so viele Gläubige den Weg an die holländische Grenze finden und einen ganzen strapaziösen Tag durchstehen. Die Ermlandbriefe haben über das Treffen ausführlich berichtet. Auch an der im Juni stattgefundenen Wallfahrt nach Werl haben sich Tolkemiter beteiligt.
Über das ganze Jahr verteilt haben auch eine Reihe von privater Hand organisierte kleinere Treffen an verschiedenen Stellen in Nettetal und im Norden stattgefunden, die einer intensiven Kontaktpflege dienten.

Schlabbertreffen Nr. 37 in Kaldenkirchen
Das Treffen am 8. August begann traditionsgemäß mit einem Gottesdienst und wurde im Anschluß in der Gaststätte "Zur Mühle" fortgesetzt. Erfreulich war festzustellen, dass wieder etwa 100 Tolkemiter den Weg nach Kaldenkirchen gefunden hatten. Nach Berichten verschiedener Teilnehmer über Themen aus der Heimat und Grußbotschaften verschiedener Stellen und Bekanntgabe der "Neuesten Nachrichten" aus Tolkemit durch Hellmut Lingner sowie einem ausgiebigen Essen ging dieses harmonische Zusammensein zu Ende. Ein genauer Termin für das Treffen im kommenden Jahr wird noch bekanntgegeben.

Die Meldungen aus Tolkemit
Die ganz großen Ereignisse fanden nicht statt, dafür einige kleine Gegebenheiten. So gab es ziemliche Überschwemmungen in Haffnähe wegen einem andauernden Nordwind, der das Wasser aus der See in das Haff drückte. Tolkemit hatte ebenfalls unter diesen Umständen zu leiden. Weitere Ergänzungen:
- Die Bibliothek (früher Schuhgeschäft Döben) wurde generalüberholt.
- Am Hafen gibt es Blumenrabatten und neue Bänke, aber keine Schiffe!
- Erstmals seit vielen Jahren verkehrte ein Motorschiff von Tolkemit nach Kahlberg.
- Platz für "Schwedenanker". Aufstellung unterhalb vom Galgenberg.
- Neues Gasthaus mit 20 Zimmer-Pension ist im Bau.
- Neue Treppenverbindung von der Elbinger Straße zum Dünhöfer Weg.
- Sandstrand bis zum Bacheinfluß im Erlenwäldchen neu.
- Namensteine aus dem Ehrenmal werden ausgegraben.
- Deutsche Grabsteine auf dem Friedhof neu angelegt (Bericht folgt).
- Werkstätte für Behinderte Menschen neu eröffnet.

Es folgen persönliche Gedanken zur Zeit mit einem Rückblick und Ausblick von
Leo Lindner
Rotbergkamp 7 - 21079 Hamburg - Tel. 040-7637029

Liebe Tolkemiter, Liebe Freunde Tolkemits!

Wo ist die Zeit geblieben?
Im vergangenen Jahr stellte ich die Frage: Wo ist das Jahr geblieben? Nun ist es wieder so weit. Hoffentlich sind möglichst viele Wünsche und Erwartungen in Erfüllung gegangen und die Alterslast erträglich gewesen. Für dieses Jahr habe ich für alle Tolkemiter nur ein Wort in der Überschrift ausgewechselt und dem Thema einen ganz anderen Inhalt verliehen.
Vor 65 Jahren brach über uns das Unheil mit dem Eindringen der Roten Armee in unsere Heimatstadt herein. Am 14. Januar war ich auf einem Kurzurlaub in Tolkemit. Zusammen mit anderen Jungen verbrachte ich den Sonntag Nachmittag bei herrlichem Winterwetter auf dem Haff-Eis beim Segelschlitten fahren. Mir kam überhaupt kein Gedanke daran, dass es eventuell der letzte Tag in Tolkemit sein könnte. Beim Abschied fragte mich meine Mutter "Wat meenst Jung, ware de Russe uck noch bet bi ons kome? Noch voller Zuversicht in die Abwehrkraft unserer Soldaten sagte ich noch "dat glow eck nich".
Nur 10 Tage später änderte sich von Minute zu Minute das Leben aller in der Stadt befindlichen Menschen zum Negativen.

Das Unheil brach über sie herein. Alles, Menschen, Tiere und das gesamte Hab und Gut wurde in das Kriegsgeschehen mit einbezogen. Besser als die Überschrift in unserem Tolkemit-Buch kann es nicht ausgedrückt werden
"Das Schicksal nahm seinen Lauf".

Eindringlich haben Tolkemiter ihr Schicksal d.h. über Flucht, Verbannung und Vertreibung aus unserer Heimatstadt im Text beschrieben Alle Berichte und Darstellungen, wie sie in den Medien stattfinden, sind nur ein oberflächliches Erklären und Betrachten. Nur wer das Inferno zu Beginn des Jahres 1945 und alle Folgen daraus, besonders die Verbannung und Gefangenschaft über viele Jahre persönlich erlebt hat, ist das; was man ein Opfer dieses wahnsinnigen Krieges nennen kann. Man nahm den Menschen aus dem deutschen Osten alles. Auch die folgenden Jahre in Deutschland waren von Hunger, Not und Elend geprägt. Erst nach vielen Jahren des Aufbaus normalisierte sich das Leben.
Mit dem Beginn der Reisemöglichkeiten nach Polen erfolgten Besuche von Tolkemit (auf polnisch Tolkmicko), unserer Heimatstadt bis in die heutige Zeit. Mit den dort, nach der Umsiedlung und mit einem ähnlichen Schicksal Betroffenenn nun hier ansässigen Polen, entstanden oft gute Beziehungen. Es erfolgten finanzielle Unterstützungen zur Erhaltung der schönen Pfarrkirche St. Jakobus und der Herz-Jesu-Kapelle. Auch zur Verwaltung, der Schule und der Sozialstation haben die Tolkemiter aus Deutschland gute Verbindungen aufgebaut.

Nun, nach 65 Jahren, sind der größte Teil der Tolkemiter entweder schon verstorben oder in einem Alter, in dem man nur noch mit Vorliebe den Gedanken aus der "Alten Zeit" nachgeht. So gut es ging, hat man durch Erzählungen über das Leben und die schöne Natur in der Heimat berichtet. Die Jungen haben das teils mit Interesse aufgenommen. Das Empfinden zu dem Geschehen, was ihre Eltern und Großeltern betraf, können sie schwerlich teilen, da sie es nicht erlebten. Tolkemit, unser Tolkemit, ist für sie schon Vergangenheit und ein Leben unter heutigen Bedingungen in einem geeinten Europa ihre Grundlage. Die in Tolkmicko geborenen Polen kennen nur ihr Tolkmicko als Heimat. Alle jungen Menschen beider Nationen leben in einem vereinten Europa. Ein tolles Erlebnis.
Über das Unrecht, das sich beide Völker gegenseitig in früheren Zeiten zugefügt haben, glaubte man, dass es über diese Frage nach so lange Zeit zu einer Aussöhnung gekommen sei. Hier möchte ich den Besuch der Kanzlerin Merkel am 1. September 2009 in Danzig und ihre Rede zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns mit der Entschuldigung für den Überfall von Nazi-Deutschland auf Polen hinweisen. Nach den Meldungen der letzten Zeit war das wohl nur eine Erwartung, leider keine Tatsache.
Was hat das aber alles mit Frau Steinbach, dem BdV und der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" zu tun? Warum soll nicht jedes Land für sich der schrecklichen Ereignisse als Folge des Krieges gedenken dürfen? Leider haben sich sowohl in Polen als auch in Deutschland führende Politiker und politische Parteien gegen die Empfindungen der Menschen gestellt. Vorschlag: Wir sollten alle übertriebenen Nationalgefühle endlich begraben. Weder "Noch ist Polen nicht verloren" als auch "Deutschland, Deutschland über alles" gehören in die heutige Zeit. Die Politiker Polens und Deutschlands sollen lieber "Zum Wohle des Volkes" - Inschrift am Bundestag - agieren und die alten Gräben endlich zuschaufeln. Danach können die Quatschkowskis, Wellenwesters und Meiersteins sich auf der Ostsee gemeinsam in ein Boot setzen und bei Sturm das Lied von Frieden und Einigkeit singen. Das deutsche und das polnische Volk haben sich längst entschieden, alles dafür zu tun, damit der Frieden unter den Völkern Europas fur ewig erhalten bleilbt.

Diese Glocke sollte jeden Menschen, der, den Platz vor der im 14. Jahrhundert
im Neugotischen Stil erbauten Pfarrkirche St. Jakobus in Tolkemit/Tolkmicko
betritt, daran erinnern, stets für den Frieden einzutreten. Dafür sollte sie aus
dem Glockenstuhl genommen und vor der Kirche mit einer Mahnschrift
"Nie wieder Krieg" aufgestellt werden.
Die Glocke wurde mit drei weiteren Glocken als Ersatz für die im Krieg 1914 - 1918 abgelieferten Glocken etwa 1920 angeschafft und entging 1939 - 1945 einer Vernichtung. Die große Glocke (d`1393 kg) wurde bei den Kampfhandlungen im Januar/Februar 1945 beschädigt und befindet sich noch bis heute stumm im Glockenstuhl der Kirche.

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Herzliche Grüße senden wir an alle Tolkemiter und Freunde in alter Verbundenheit. Wir haben uns bemüht, die Erinnerung an unsere Heimatstadt Tolkemit wachzuhalten.
Wir wünschen eine besinnliche Adventzeit, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und gute Gesundheit in 2010.

Gretel und Leo Lindner

Ein Gruß für 2010 von dem Chor der "Hauseigenen Engelsinger"

Tolkemiter Nachrichten 2009 - Folgeseiten

Die "Tolkemiter Nachrichten" sind auch in diesem Jahr eine Mischung von Altem, neuem Alten und Berichten aus der Gegenwart, also ein Tolkemiter "Allerlei". Einen besonderen Stellenwert soll dabei die Erinnerung haben. Es gibt noch vieles über Tolkemit zu berichten, packen wir es an!

Erinnerungen an Aloys Mohn
In Kunzendorf bei Marienburg wurde Aloys Mohn als einziges Kind des Hauptlehrers und Kantors Otto Mohn am 25. April 1900 geboren. Nach dem Abitur am Rößeler Gymnasium wurde Aloys Mohn Soldat. Nach kurzem Medizinstudium ging er als Theologiestudent nach Braunsberg. Tatsächlich hat er bei seiner Berufswahl zunächst zwischen einer Laufbahn als Offizier, dem Beruf als Arzt und dem Priestertum geschwankt. Zum Priestertum fühlte er sich schließlich berufen.
Er wird als gewissenhafter, gerechter und Vertrauen erweckender Mensch geschildert, der neben seiner Vorliebe für Orgel und Klavier dass Skatspiel pflegte. Der musische und gesellige Wesenszug von Aloys Mohn war wohl ein väterliches Erbe. Er sang gern und spielte seit seiner Münchener Studienzeit Cello. Seine Mutter begleitete ihren Sohn auf den verschiedenen Stationen seines Dienstes und führte ihm nach dem Tod ihres Mannes 1942 bis zu ihrem Tod im Jahre 1957 den Haushalt. Sie galt als die Seele und der gute Geist im Pfarrhaus in Thürungen und empfand die Arbeit für ihren Sohn als Glück und Segen. Zuweilen konnte sie auch kräftig schimpfen, wenn Aloys sich nicht von der Gemeindearbeit trennen konnte und das Mittagessen kalt wurde.

Am 11. Juni 1926 ist Aloys Mohn in Braunsberg von Bischof Maximilian Kaller zum Priester geweiht worden. Nach seiner Priesterweihe wirkte er 13 Jahre als Kaplan in mehreren Orten seiner Heimatdiözese. Zuerst für kurze Zeit in Langenwalde bei Mehlsack, danach von 1926 bis 1931 in Tolkemit und von 1933 bis 1940 in Braunsberg. Die Zeit in Braunsberg war für ihn sehr bewegt.

Da er sich über viele Hindernisse für die Seelsorger in der Nazi-Zeit hinwegsetzte, kam er mehrmals mit der Gestapo in Kontakt. Wie überall, stand er unter ständiger Bewachung, da seine Ministranten- Religions- und Glaubensstunden in dem politischen System verboten waren. Aloys Mohn wurde schließlich wegen eines Verkehrsunfalls verhaftet und in Königsberg vor Gericht freigesprochen.
Seit 1940 wirkte Aloys Mohn als Divisionspfarrer in der Wehrmacht. Er war an verschiedenen Dienststellen eingesetzt. Seinen letzten Militärgottesdienst hielt er als Geistlicher Ostern 1945 in Mühlhausen/Thüringen. In Gotha gelangte er in amerikanische Gefangenschaft, nachdem er seine Einheit verloren hatte. Er wirkte als Seelsorger in 11 Lazaretten mit und hat sich bei den Amerikanern halbwegs frei bewegen können. Durch einen Zufall traf er auf einen Franzosen, den er in Paris seelsorgerisch betreut hatte. Dieser sorgte sich nun um Aloys Mohn und beschaffte ihm die erforderlichen Papiere, die ihn als antifaschisten auswiesen. Er durfte dann privat wohnen und Zivil tragen.

In Gotha gab es viel zu tun für einen tatkräftigen Priester in besten Jahren bei trostlosen Zuständen nach dem Zusammenbruch des Vaterlandes. Doch vorerst wahr Mohn noch nicht Pfarrer in Gotha. Zunächst sollte er einige Jahre in Weida wirken, ehe er zu seinem ersten Aufenthaltsort in Thüringen zurückkehrte. In Weida blühte Mohn förmlich auf. Er hatte Verwandte um sich gescharrt, die Gemeindearbeit in aller Form angenommen und sich gut eingerichtet hatten. 1954 erfolgte seine Versetzung nach Jena, einer weit größeren Gemeinde mit höheren Ansprüchen.
In der Folgezeit gab es eine Reihe von Kompetenz-Auseinandersetzungen zwischen den Kirchenoberen. War Mohn nun eigentlich Priester der Diözese Ermland oder Fulda? Erst 1965 wurde endgültig entschieden. Prälat Paul Hoppe als Nachfolger von Kapitularvikar Arthur Kater erhob Mohn in den Rang eines Konsistorialrates, der die Pfarrei als Daueradministrator übernahm. Die Erfurter Kirchenbehörde hatte ihm ihrerseits den Titel eines "Geistlichen Rates" verliehen.

In Jena hat das Wirken von Pfarrer Mohn deutliche Spuren hinterlassen. Von 1957 bis 1960 wurde unter seinem Einfluß die Pfarrkirche umgebaut und renoviert. Es gab weitgehende Zusammenarbeit mit der Universität. Die Umsetzung der Aufgabe in der Gemeinde und den baulichen Maßnahmen von St. Johannes hatten stark an der Gesundheit gezehrt. Im Oktober 1958 hatte Aloys Mohn einen zweiten Herzanfall erlitten und war einige Monate im St. Gertrauden-Krankenhaus der Katherinenschwestern in Berlin behandelt worden.
Mohn hat in seiner Jenaer Zeit viel bewegt. Nach hohem geistigen Einsatz wurde 1964 sein zehnjäriges Ortsjubiläum festlich begangen. Er schien die Höhe seiner Schaffenskraft überschritten zu haben. Mohn konnte nicht übersehen daß die Zeit des stürmischen Aufbruchs vorbei war. Sie war tatsächlich in Hast und Unrast umgeschlagen. Der physische Zusammenbruch sollte nicht von ungefähr kommen. Im Spätsommer verstarb seine Mutter und wenige Jahre später seine langjährige Haushälterin Frau Ettrich.

Rückblickend äußerte Mohn sich in einem Gespräch, daß die schwersten Jahre seines Lebens die Kriegsjahre gewesen waren; die glücklichsten waren die Kaplansjahre in Ostpreußen trotz der Schikanen und Bespitzelungen durch die NS-Behörden.
Im Juni 1966, kurz vor Fronleichnanm, erlitt Mohn seinen ersten Schlaganfall, der ihn zwang, sein Pfarramt in jüngere Hände zu geben. Sein damaliger Nachfolger war der heutige Kardinal Sterzinsky. Nach zwei weiteren Jahren verstarb er in den Morgenstunden des 15. November 1968. Der Musikfreund Aloys Mohn wurde eine Woche später in Anwesenheit von Bischof
Dr. Freusberg und 60 weiteren Priestern zu Grabe getragen. Die Predigt hielt der spätere Kardinal Sterzinsky.
Der Ermländer Aloys Mohn fand seine letzte Ruhe in fremder Erde. In die alte Heimat ist er nie zurückgekehrt. Er ließ sich aber die letzten Kriegsjahre bis zur Kathastrophe in Braunsberg von einem Freund aus der Erinnerung schildern. Die Leipziger Kirchenzeitung "Tag des Herrn" schrieb am 11. Januar 1969 in einem schlichten Nachruf:

Mohn war eine markante Priesterpersönlichkeit, die alle, mit denen er in Berührung kam, tief beeindruckte. Viele Menschen aus allen Bevölkerungsschichten suchten bei ihm Rat und Trost. Die Wurzeln seines religiösen Lebens lagen in seiner Verehrung der heiligen Eucharistie. Täglich konnte man ihn zu bestimmten Stunden vor dem Tabernakel im Gebet finden. Die Vekündigung des Wortes Gottes war für ihn eine Herzensangelegenheit.

Das Wirken von Aloys Mohn in Tolkemit:
Den älteren Tolkemitern ist das Wirken von Aloys Mohn noch heute in Erinnerung. Er hat schon damals junge Menschen begeistert und seine Musikbesessenheit auf andere übertragen, indem er Verantwortung übernahm und den Musikzug gründete. Durch sein Wirken ging durch den ganzen Ort ein Ruck und alle bedauerten seine Versetzung 1931 nach Brausnberg. Das wr auch der Grund, Ausschnitte aus den Veröffentlichungen in den Ermländerbriefen Sommer 1983/ Ostern 1984 in Ausschnitten zu veröffentlichen.

Die Fortsetzung mit Bildern finden Sie auf der Folgeseite

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